Teil eines Werkes 
Dritter Band (1808)
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

16 UMI. Buch. II. Tit. Von Contracten und Verbindlichkeiten.

Pol. mal. Cujaz ſagt, man müſſe insidiis anſtatt indi- ciis leſen.*)

*) Der vorliegende Artikel, in Verbindung mit dem Art. 1109 u. 1110, erhielt ſeine Anwendung in folgendem Falle:

Im Heiraths-Contracte des Peter Claudius Papon vom 12. December 1784 wurde er und ſein Bruder Johann Jacob gemeinſchaftlich von ihren Eltern zu Univerſal⸗Erben er⸗ nanut. Nach beyder Eltern Tod entſtanden zwiſchen den zwey eingeſetzten Erben, und ihren zum Pfichttheile berechtigten Ge⸗ ſchwiſtern große Zwiſte uͤber die Feſiſetzung ihrer Gerechtſame. Peter Claudius und Johann Jacob Papon hatten das nehmliche Intereſſe; und machten gemeinſchaftliche Sache. Erſterer kaufte einigen ſeiner Geſchwiſter ihre Anſprüche auf den Pflichttheil ab, machte auf dieſe Weiſe in Hinſicht ihrer dem Streite ein Ende, und theilte den hieraus entſpringenden Vortheil mit ſeinem Bru⸗ der Johann Jacob⸗ Dieſer gieng indeſſen nicht mit der nehm⸗ lichen Delieateſſe zu Werke.

Im Jahre 9.(1801) machte er es mit den übrigen zum Pflichttheile berechtigten Geſchwiſtern auf die nehmliche Art, jedoch heimlich, und mittelſt Acte unter Privat⸗Unterſchrift. Seinem Bruder ließ er nichts davon wiſſen, und ſetzte im Gegen⸗ theile mit ihm den Proieß fort, während er anderer Seits im Nahmen ſeiner befriedigten Geſchwiſter die von ihnen angehobene Flage leitete.

So war er alſo dem Scheine nach Beklagter, in der That aber, unter der Larve ſeiner Geſchwiſter; Kläger. Dieſe dop⸗ pelte Eigenſchaft gab ihm das Nittel an die Hand, der Strei⸗ tigkeit eine ihm beliebige Wendung zu geben; er machte Erklaͤ rungen, gab Anſpruͤche nach, ſtand von Behauptungen ab, die das Intereſſe ſeines Bruders gefährdeten, und den zum Pflicht⸗ theile Berechtigten jum Vortheile gereichten, deren Anſprüche er doch alle an ſich gebracht hatte.

So vieler neuen Schwierigkeiten müde, deren urſache Peter Claudius Papon nicht argwohnte, gieng er mit ſeinen Geſchwi⸗ ſtern ein Compromiß ein, woran Johann Jacob eines Theils als Ritintereſſent mit ſeinem Bruder Peter Claudius, andern Theils aber unter der Larve ſeiner Geſchwiſter in deren Rechte er ge⸗ treten war, Antheil nahm! ſo daß er von beyden Seiten die Bedingungen des Compromiſſes feſtſetzte, und die Schiedsrichter

ernannte.