II. Buch. 1l. Tit. Von Schenkungen und Teſtamenten. 545
Contracte gemachten Schenkungen von dem Widerrufe wegen
koͤnne, alle Merkmahle der teſtamentariſchen Dispoſttionen an ſich trage. Bey der dritten Frage erwog er a) daß die neue Ge⸗ ſetzggebung nur zwey Gattungen von Schenkungen kene unter den Lebenden nehmlich, und auf den Todesfall; daß b) der Geſet geber die Gültigkeit der Schenkungen unter Lebenden, und de Teſtamente der Beobachtung der fuͤr dieſe Acte vorgeſchriebenen Feyerlichkeiten untergeordnet habe; daß, wenn er e), in der Abſicht die Heia⸗ then und die Bevölkerung zu begünſtigen, die Schenkungen unter Lebenden, die den Ehegatten in ihrem Heiraths-Centraete ge⸗ macht werden möchten, von den in den Art. 943 944 545 und 946 vorgeſchriebenen Regeln ausgenommen hat, ſich doch nicht ſchließen laſſe, daß er die Ehegatten von der Beobachtung der Formen befreyt habe, die er fuͤr die teſtamentariſchen Dispo⸗ ſitionen, die er ihnen waͤhrend der Ehe zu ihren Gunſten zu machen erlaubt, feſtgeſetzt hat; daß, wenn er d) in dieſem letz⸗ tern Falle, eine Ausnahme zu ihren Gunſten habe machen wol⸗ len, dieß beſtimmt ausgedruckt haben wuͤrde, ſo wie er es in Hinſicht der Schenkungen unter Lebenden gethan habe, und zwar um ſo mehr, da Ausnahmen ſich auf die Gegenſtaͤnde, für welche ſie eingefuͤhrt worden ſind, beſchränken muͤſſen; daß, da e) der Act vom 9. Meſſidor 12. J. keine Schenkung unter Lebenden, ſondern auf den Todesfall ſey, er nach den für Aete dieſer letztern Gattung vorgeſchriebenen Formen errichtet, folg⸗ lich von zwey Notarien in Beyſeyn zweyer Zeugen aufgenommen, von Peter Lecouvreur dietirt, dem Teſtirer vorgeleſen werden, und von allem dem ausdrückliche Erwähnung habe geſchehen muͤſ⸗ ſen; daß, da) keine dieſer Formalitaͤten erfuͤllt worden, der Aet für nichtig erklaͤrt werden müſſe, ſo wie dieß in erſter In⸗ ſtanz bereits geſchehen ſey; er erwog uͤberdieß g) daß es im vor⸗ liegenden Falle ganz wahrſcheinlich ſey, daß Lecouvreur und ſeine Gattinn die Abſicht gehabt haben, die Verfügung des Art. 1097 zu umgehen, die den Ehegatten verbiethet, ſich während der Ehe durch Aete unter Lebenden, oder durch Leſtament eine gegenſeitige Schenkung in einem und dem nehmlichen Acte zu machen, wenn man ſieht, daß ſie ſich am nebmlichen Tage ein⸗ ander ſchenken, und in beyderſeitiger Gegenwart, in zwey vom nehmlichen Notar aufgenommenen Aeten, und in Beyſeyn der nehmlichen Zeugen ſtipuliren; und daß es h) noch wahrſcheinli⸗ cher ſey, daß die vom Leecouvreur gemachte Schenkung das Werk der Suggeſtion ſey, da der Aet ſelbſt beweiſe, daß er krank war,


