Teil eines Werkes 
Erster Band (1808)
Entstehung
Seite
483
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I. Buch. XI. Tit. Von der Volljaͤhrigkeit. 483

In dieſem Artikel iſt nur von Schwachſinnigen, Wahn⸗ ſinnigen, oder Raſenden die Rede; das römiſche Geſetz brei⸗

Längſtlebenden der Eltern von Rechtswegen (Kraft des Geſetzes) angehöre.

Mit welchem Rechte ſollte nun aber der Vormund des Rin derjaͤhrigen auf der Fortſetzung ſeiner Functionen betehen duͤr⸗ fen? Als Dativ⸗Vormund? Es gibt ſaber keine dative Vor⸗ mundſchaft, als bloß in Ermangelung der geſetzlichen oder teſtamentariſchen(Art. 405.) und in dem vorliegenden Falle iſt ja die Mutter von Rechtswegen geſetzliche Vormuͤnderinn. Vielleicht als teſtamentari ſcher Vor⸗ inund? Die teſtamentariſche Vormundſchaft kann aberi iach dem Art. 397 nur in ſo ferne beſtehen, als der Laͤnsſt⸗ lebende der Eltern den Vormund ernannt hat.

Die Anhaͤnger der zweyten Meinung ſagen:

Was iſt denn das fuͤr eine Diſtinetion zwiſchen perſönhi⸗ chen und dinglichen Statuten, und noch einer dritten Gat⸗ rung, die weder perſoͤnlich noch dinglich ſind, aber von den einen und den andern mehr oder weniger an ſich haben? Auf welcher Baſis beruht ſie? Was hat dieſe ganze Thevrie, die ohne allen Grund erſonnen worden iſt, um die Schwierigkei ten aufzulöſen, nachdem ſie ſich dargebothen haben, gruͤndliches an ſich? Woher iſt ſie geſchoͤpft worden? Aus dem Geſeße und zwar vorzuͤglich aus jenem einzigen Geſetze, welches man allein zu Rathe ziehen will, ohne auf die vorherigen Geſetze Rückſicht zu nehmen? Das Geſetz, das Geſetzbuch Napoleono ſagt kein Wort davon, ſeine gluͤckliche Einfachheit iſt von dieſer Metaphyſik weit entfernt; Da es hievon ſchweigt, darf man ihm wohl hierin et⸗ was hinzuſetzen? Nein, wo das Geſetz nicht nnterſcheidet, ſollen wir auch keinen Unterſchied machen; wir duͤrfen uns nicht an die Stelle des Geſetzgebers ſetzen, ihm eine Idee zumuthen, die er nicht ausgedruckt hat.

Die Schwierigkeit, welche mit der Erklärung dieſer Diſtins⸗ tion verknuͤpft iſt, die noch groͤßere Schwierigkeit, die ſie in ih⸗ rer Anwendung hat, jenes aͤngſtliche Herumtappen, um die Mit⸗ tel⸗Gattung von Statuten ihren beyden Extremen zu näbern, beweiſt hinlaͤnglich, daß ſie ganz ſeicht. Schon lange hat man das Leere des Syſtems der perſoͤnlichen, din glichen und vermiſchten Statuten gefühlt, und die guten Köpfe, die es als eine ſinnreiche Abſtraetion verworfen haben, haben