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Seine Vorzuͤge vor den Anordnungen des gemeinen Rechts in Anſehung des Abweſenden ſcheinen mir unver⸗ kennbar.
Es iſt mir keine deutſche ſtatutariſche Geſetzgebung be⸗ kannt, welche dieſen Grad von Vollkommenheit erreicht hatte.
Es wird nicht ſchwer werden den ganzen nnd vollſtaͤn⸗ digen Inhalt des Geſetzes in dem fuͤr einen Staat der rheiniſchen Canfoͤderation angewandten Koder Napoleon aufzunehmen. Ich verſtehe unter dieſer Aufnahme keine woͤrtiiche Ue⸗ berſetzuug. Bei einem blos uͤberſetzten Koder Napoleon moͤchte ſich wohl kein deutſcher Staat glücklich finden. Auch ſcheinen mir mehrere Partien des Geſetzes theils eines ver⸗ beſſernden Znſatzes, theils einer lichtvollern und beſtimmte⸗ ren Darſtellung faͤhig. Mein Antrag geht auf die Aufnahme des Geſetzes in ſeinem Geiſt und Inhait.
Ehe ich dieſen Antrag detaillire, muß ich mir erſt erlauben, die contraſtirenden Seiten des franzoͤſiſchen Geſe⸗ tzes uͤber Abweſende mit denjenigen Beſtimmungen darzuſtel⸗ len, welche die deutſche Praxis bei der Lehre von Verſcholle⸗ nen eingefuͤhrt hat. Aus dieſem Contraſte wird der Geiſt des Geſetzes hervorgehen. Ich halte hiernaͤchſt die Rechtfer⸗ tigung des Geſetzes gegen ſehr ſcheinbare Vorwuͤrfe fuͤr Pflicht, welche deutſche Schriftſteller ihm gemacht haben⸗
Die von deutſchen Gerichten angenommene Lehre von Verſchollenen beruht aut der Präſumtion des Abſterbens eis nes ſiebenzigjahrigen menſchlichen Individuums. Sie ſchoͤpft aus allgemeinen Naturgeſetzen und aus Erfahrungen uͤber die Dauer des menſchlichen Lebens. Auf den Umſtand, daß der Abweſende, ſeit zwanzig:, dreißig und mehrern Jahren kein Lebenszeichen gibt, legt ſie keinen Werth, und daraus leitet ſie keine Vermuthung fuͤr ſeinen Tod ab. Zwar iſt die Hy⸗ potheſe von einer ſiebenzigjahrigen Durchſchnittsdauer des menſchlichen Lebens nicht naturgeſchichtlich und ſteht mit den Mortalitätsliſten im Widerſpruch Zwar hatte ſchon Ul⸗ pian eine richtigere Berechnung daruͤber fuͤr die juriſtiſche Praxis aufgeſtellt. Indeſſen wird darum doch niemand in dem von der Praxis aufgeſtellten Geſichtspunct etwas wi⸗ derrechtliches finden. Wichtig ſind die Folgeſatze jenes Ge⸗ ſichtspuncts, welche der practiſche Juriſt, ohne ſeine eigne Conſequenz zu verleugnen, nicht mißkennen darf.
Es ſind folgende:
1) Dem Abweſenden muß, wenn er, im Fall er lebte, das
*) L. F8. D. ad legem falcidiam.


