Teil eines Werkes 
Vierter Band (1812) Kurze Darstellung der Napoleonischen Civil-Gesetzgebung in Beziehung auf die Rezeption des Code Napoléon in teutschen Landen 1809
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Weil wenigſtens moͤglicher Weiſe das Verſchwin⸗ den des Abweſenden oder ſein gänzliches Stillſchweigen durch ſeinen Tod kann verurſacht worden ſeyn, ſo werden diejeni⸗ gen, welche zur Zeit ſeines Verſchwindens oder ſeiner letzten Nachricht ſeine Erben geweſen wären, in den proviſoriſchen Beſitz der Erbſchaft eingeſetzt.

um indeſſen auch hierin nicht zu raſch vorzuſchreiten und dem Willen des Abweſenden, dem vielleicht mit der pro⸗ piſoriſchen Immiſſion wenig gedient iſt, nicht vorzugreifen, wird auch mit dieſer Moaasregel vorerſt noch eingehalten.

Da indeſſen auf der andern Seite die Exiſtenz des Ab⸗ weſenden eben ſe moͤglich iſt, ſo werden die immittirten Praͤ⸗ ſumtiv⸗Erben zur Inventariſation und Caution angehalten. Auch wird ihnen die Veraußerung der Immobilien unterſagt. Endlich bleiben den wirklichen Erben, ſo wie dem Anweſen⸗

den ſelbſt, alle Rechte vorbehalten.

Erſt wenn hundert Jahre ſeit der Geburt des Abweſen⸗ den oder dreißig ſeit der proviſoriſchen Immiſſion abgelaufen ſind, nimmt das Geſetz eine Meinung an und ſtellt eine

Präſumtion ſo lange als Gewißheit wirkſam auf, bis das Gegentheil erwieſen worden iſt. Es nimmt namlich die Mei⸗ nung an, daß der Abweſende zur Zeit ſeines Verſchwindens, oder kurz nachdem er zuletzt Nachricht gegeben, geſtorben ſey. Tn Gemäßheit dieſer geſetzlichen Präſumtion hören Caution und Veräußerungsunterſagung auf.

Da bis dahin das Geſetz gar keine Meinung an⸗ nimmt, ſo kann auch derjenige, welcher ſich auf das Leben oder den Tod des Abweſenden gründet und aus der einen oder andern Vorausſetzung Rechte ableitet, keine geſetzliche Präſumtion fur ſich anfuͤhren, er muß in einem wie im an⸗ dern Falle ſeine Behauptung, als das ſein Recht be⸗ gruͤndende Factum, oder als das Fundament ſei⸗

ner Klage, beweiſen*)

ſumtion der Wahrheit? Die Verſüͤgung des 133ten Artikels, nach welchem das Recht ber Zurücforderung der Erbſchaft, nach der definitiven Immiſſion der Wralumtiv⸗ Erben, nur auf die Kinder und Desrendenten ſtilſchweigend übergeht, ſcheint jene Frage ſtillſchweigend zu verneinen. Doch waͤ⸗ eine gusdruckliche Beſtimmung immer wunſchenswürdig geweſen.

*) Dieſe Anſicht ſcheint auch die Anſicht der jranzöſſſchen Ge⸗ richtspraxis geweſen zu ſeyn wenigſtens ſeit Ludwig dem

Rlllten. Der Tribun Kuget ſagte daruber am 13ten März 1503

folgendes: