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Vierter Band (1812) Kurze Darstellung der Napoleonischen Civil-Gesetzgebung in Beziehung auf die Rezeption des Code Napoléon in teutschen Landen 1809
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Hat der hinterlaſſene Ehegatte ſich fuͤr die Fortdauer der Gütergemeinſchaft erklärt, ſo kann er dennoch hinterher auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſten.

Dieſe Diſpoſitionen und der Geiſt und Zweck derſelben wuͤrden ohne eine vorlaͤufige Kenntniß der ehelichen Guͤterge⸗ meinſchaft des franzoͤſiſchen Geſetzbuchs unverſtändlich ſeyn. Kennt man aber dieſe Guͤtergemeinſchaft, ſo verſteht man ſie leicht und uͤberſieht ihren Zweck.

Der K der Napoleon fuͤhrt in allen Faͤllen in welchen nicht etwas anders verabredet worden, eine Guͤtergemeinſchaft der ehelichen Errungenſchaft und des Mobiliar Vermoͤgens gleichviel, ob es in die Ehe gebracht, oder darin erworben worden iſt ein.

Die Gemeinſchaft wird durch die Trennung der Ehe erfolge ſie durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod oder durch Scheidung aufgeloͤßt, nach der Societätsregel, daß mit dem Austritt eines Socius die Societät erloͤſche.

Zwiſchen dem Ueberlebenden und den in der Ehe gezeug⸗ ten Kindern dauert keine prorogirte Guͤtergemeinſchaft fort. Die volhaͤhrigen Kinder koͤnnen daher auf Errichtung eines Inventariums und auf Abtheilung dringen, im Namen der Minderjöhrigen muß es der kontrollirende Vormund(tuteur subrogé) thun.

Beruhte das die Abweſenheit erklaͤrende Urtheil wie die gegen Verſchollene erlaſſenen Praͤcluſionen deutſcher Ge⸗ richte auf der juriſtiſchen Fiction des wirklichen Ab⸗ ſterbens des Abweſenden, ſo muͤßte nach der naͤmlichen Fiction die eheliche Guͤtergemeinſchaſt aufhoͤren.

Auf einer ſolchen Fiction beruht indeſſen jenes Urtheil nicht. Es ſpricht die Meinung des Tribunals aus, daß man weder vom Leben noch vom Abſterben des Abweſenden etwas wiſſe. Es erklärt weiter nichts, als dieſe Ungewißheit fuͤr gewiß, indeß bei der vermutheten Abweſenheit ſelbſt dieſe Ungewißheit nur als Vermuthung erſcheint.

In dieſem Zuſtande der Ungewißheit nun ſtrebt das Ge⸗ ſetz dahin, daß ſie niemand zum Nachtheil gereiche. Dies wuͤrde ſie aber, wenn die Präſumtiv-Erben des Ab⸗ weſenden nicht in den Beſit ſeines Vermoͤgens als Adminiſtra⸗ toren geſetzt wuͤrden. Die Immiſſion iſt daher doppelſeitig. Sie hat die Eigenſchaft einer Einſetzung in die Erbſchaft, wenn die Folge zeigt, daß der Abweſende zur Zeit der Immiſſion geſtorben war. Sie hat die Eigenſchaft einer uͤbertragenen Adminiſtration, wenn ſich das Gegencheil ausweiſt.