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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
463
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2169. Wenn der dritte Inhaber eine dieſer Verbind⸗ lichkeiten nicht voͤllig erfullt: ſo hat ein jeder Hypotheken⸗ glaͤubiger das Recht, gegen ihn das mit Hypotheke beſtrickte Gut verkaufen zu laſſen, und zwar dreißig Tage nach dem Aufgebote, das er an den urſpruͤnglichen Schuldner hat erge⸗ hen laſſen, und nach der Auffoderung, die er dem dritten Inhaber gethan hat, die faͤllige Schuld zu bezahlen, oder das Erbe zu raͤumen.

2170. In dem Falle jedoch, wo der dritte Inhaber nicht perſoͤnlich verbunden iſt, die Schuld zu bezahlen, kann er ſich dem Verkauf des mit Hypotheke beſtrickten Grundes, den er an ſich gebracht, widerſetzen, wenn der Hauptſchuld⸗ ner noch andere unbewegliche Guͤter beſitzt, worauf die naͤm⸗ liche Hypotheke haftet, und verlangen, daß man ſich vor⸗ her an denſelben erhole, nach der unter dem Titel von Buͤrgſchaften beſtimmten Form. Waͤhrend der Ausklage dieſer Guͤter wird mit dem Verkauf des beſtrickten Grundes inne gehalten.

2171. Die Einrede der Ausklage oder vorlaͤufigen Erholung an den uͤbrigen Guͤtern kann dem priviligirten Glaͤubiger nicht entgegen geſetzt werden, eben ſo wenig, als dem Glaͤubiger, der auf das unbewegliche Gut eine be⸗ ſondere Hypotheke hat.

2172. Was die oben gedachte Raͤumung zufolge einer Hypothek betrifft, ſo kann ſie von jedem dritten Inhaber geſchehen, der nicht perſoͤnlich fuͤr die Schuld haftet, und der faͤhig iſt zu veraͤußern.

2173. Eine ſolche Raͤumung kann ſelbſt dann noch geſchehen, wenn der dritte Inhaber die Verbindlichkeit be⸗ reits anerkannt hat, oder wenn bereits in dieſer Eigenſchaft allein ein Urtheil gegen ihn ergangen iſt. Sie hindert ihn nicht, ſo lange der Zuſchlag noch nicht geſchehen iſt, das unbewegliche Gut wieder zu nehmen, und die ganze Schuld mit den Koſten zu bezahlen.

2174. Die Raͤumung zufolge einer Hypotheke geſchieht in der Kanzlei des Gerichts, worunter die Guͤter liegen, und das Gericht ſtellt einen Schein daruͤber aus.

Auf das Anſuchen des fleiſſigſten von den intereſſirten Theilen wird dem ſo geraͤumten Gute ein Curator ernannt,