Druckschrift 
Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen

29. Wenn derjenige, der wegen Contumaz oder Nicht⸗ erſcheinung verurtheilt worden, ſich in den fünf Jahren, von dem Tage der Vollziehung des Urtheils an gerechnet, freiwillig einſtellt, oder wenn er waͤhrend dieſes Zeitraums ergriffen und verhaftet wird, ſo iſt das Urtheil ohne wei⸗ teres von Rechtswegen vernichtet, und der Angeklagte wird wieder in den Beſitz ſeiner Guͤter geſetzt. Er wird von neuem gerichtet, und ſpricht das neue Urtheil gegen ihn die naͤmliche Strafe aus, oder auch eine verſchiedene Strafe, die aber ebenfalls den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, ſo tritt alsdann dieſer buͤrgerliche Tod nicht eher ein, als am Tage der Vollziehung des zweiten Urtheils.

30. Der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte, kann auch, wenn er ſich erſt nach Verlauf der fuͤnf Jahre ein geſtellt, oder wenn er erſt nach dieſer Zeitfriſt verhaftet worden, durch das neue Urtheil entweder freigeſprochen, oder zu einer Strafe verurtheilt werden, welche den buͤr⸗ gerlichen Tod nicht nach ſich zieht. In dieſen beiden Faͤl⸗ len tritt derſelbe ohne Einſchraͤnkung in ſeine buͤrgerlichen Rechte ein, jedoch nur fuͤr die Zukunft, und von dem Ta⸗ ge an gerechnet, wo er wieder in den Haͤnden der Gerech⸗ tigkeit war. Aber in Hinſicht auf die Vergangenheit be⸗ haͤlt das erſte Urtheil alle Wirkungen, welche der buͤrger⸗ liche Tod gehabt hatte in dem Zeitraum zwiſchen dem Au⸗ genblick, wo die fuͤnf Jahre verſtrichen waren, bis auf den Tag, wo er ſich wieder in richterlicher Gewalt befand.

31. Wenn der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte in der Gnadenfriſt von fuͤnf Jahren ſtirbt, ohne daß er ſich eingeſtellt, oder ohne daß er ergriffen oder verhaftet worden wäre, ſo wird er gehalten wie derjenige, der im vslligen Beſitz ſeiner Rechte geſtorben iſt. Das Contumaz⸗ urtheil iſt ohne weiteres von Rechtswegen vernichtet, un⸗ beſchadet der Klage um Entſchaͤdigung, welche jedoch nur auf dem Civilwege*) gegen die Erben des Verurtheilten angeſtellt werden kann.

32. In keinem Falle hat die Verjaͤhrung der Strafe die Wirkung, den Verurtheilten fuͤr die Zukunft in ſeine buͤrgerlichen Rechte wieder einzuſetzen.

²) D. h. vor den buͤrgerlichen, und nicht vor den peinlichen Ge⸗ richten.

2