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drig. Sie ſcheinen mir die väterliche Würde zu krän⸗ ken. Sie ſtreuen in den Schoos der Familien einen Samen von Zwietracht aus, ſtören den häuslichen Frieden, bewaffnen habſüchtige Kinder gegen ihre Eltern und berechtigen herrſchſüchtige Verwandte zur Einmiſchung in das heilige Verhältniß zwiſchen Vater und Sohn. Der baieriſche Civilcoder ſcheint dieſes alles überſeben zu haben. Der badenſche bat nur wenig, aber das Wenige zweckmäßig geändert, doch hat er die Grundanſicht des franzöſiſches Geſez⸗ zes ſtehen laſſen.
Um mich verſtändlich zu machen, muß ich auf oberſte Principien zurückgehen. Ich muß die Grund⸗ anſicht der franzöſiſchen Geſetzgebung konſtruiren. Ich muß ihre Unrichtigkeit zeigen. Die Unhaltbar⸗ keit der Folgeſätze wird ſich von ſelbſt entwickeln.
Das franzöſiſche Recht unterſcheidet ſchützende Vorſorge für die Perſon des Minderjährigen, und Adminiſtration ſeines Vermögens.
Das Weſen der väterlichen Gewalt beſteht in
jener, das Weſen der Vormundſchaft beſteht
in dieſer. Schützende Gewalt über die Perſon kommt dem⸗ jenigen von beiden Eltern zu, der dſe väterliche Ge⸗ walt ausübt; die Vorſorge für die Güter des Schutz⸗ bedürftigen haftet dagegen auf der Familie. Während der Ehe hat zwar der Vater, nach aufgelöſter Ehe, der zur Ausübung der vãäterli⸗ chen Gewalt berechtigte Ehegatte die Adminiſtration


