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Taufe, Trauung und chriſtliche Beerdigung eines Mitgliedes der Kirche. Indeſſen wurden dieſe Ro⸗ titzen blos um der Kirche willen niedergeſchrieben. Sie wurden nur zufällig eine Quelle von Notitzen für den Staat. Sie waren ſogar für ihn die einzige Quelle. Ohne ſie hätte er von der Exiſtenz oder Richt⸗ exiſtenz und von den Familienverhältniſſen eines Bür⸗ gers gar nichts erfahren.
Dieſe Einrichtung war im Mittelalter paſſend. Sie entſprach dem Geiſte der Zeit. Der Staat fand ſich in der Kirche und wurde von ihr beherrſcht. Der
itar erhob ſich über den Thron, und um in der bür⸗ gerlichen Geſellſchaft Rechte in Anſpruch nehmen zu können, mußte man vor allen Dingen der Kirche an⸗ gehören.
Die Reformation ſtürzte das Gebäude, welches alle Staaten des chriſtlichen Europas trug. Es wur⸗ de ſelbſt in katholiſchen Staaten als Grundſatz auf⸗ geſtellt, daß der Staat nicht in der Kirche exiſtire, ſondern umgekehrt, daß die Kirche unter dem Schutze des Staates ſtehe. Die franzöſiſche Revolution brachte dieſen Grundſatz mit der böchſten Conſequenz in Anwendung. So kange der Staat als moraliſche Perſon ſich ſelbſt zu einer beſtimmten Kirche bekannte, konnte er ſich der Vormundſchaft des Altars nicht entwenden.
Die franzöſiſche Revolution lößte die Bande zwi⸗ ſchen Staat und Kirche auf. Sie proclamirte den Grundſatz, daß der Staat als Staat gar keiner Kir⸗


