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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
407
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405 Erſtes Capitel.

Von dem Darlehn zum Gebrauch oder dem Leihvertrage.

Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns zum Gebrauch.

Art. 1875. Das Darlehn zum Gebrauch oder der Leihvertrag iſt ein Vertrag, wodurch ein Theil dem andern eine Sache uͤbergibt, damit dieſer ſie gebrauche, nach dem Gebrauche aber dem Verleiher zuruͤck gebe.

1876. Dieſes Darlehn iſt weſentlich unentgeltlich.

1877. Der Verleiher bleibt Eigenthuͤmer der ge⸗ liehenen Sache.

1878. Alles, was im gemeinen Verkehr iſt und ſich durch den Gebrauchmnicht verzehrt oder verbraucht, kann der Gegenſtand dieſes Vertrages ſeyn.

1879. Verbindlichkeiten, die aus dem Darlehn zum

Gebrauch entſtehen, gehen auf die Erben des Verleihers und auf die Erben des Leihers uͤber.

Hat aber der Verleiher bei dem Vertrage bloß die Perſon des Leihers in Betracht gezogen: ſo ſind die Er ben des Letztern nicht berechtigt, die geliehene Sache laͤn ger zu behalten.

Zweiler Abſchnirt. Von den Verbindlichkeiten des Leihers*).

Art. 1880. Der Leiher iſt ſchuldig, fuͤr die Bewah rung und Erhaltung der geliehenen Sache wie ein guter Hausvater zu wachen. Er kann ſich ihrer nur zu jenem Gebrauche bedienen, wofuͤr ſie von Natur oder durch den Vertrag beſtimmt iſt; widrigenfalls haftet er, den Umſtaͤn den nach fuͤr allen Schadenerſatz.

1881. Bedient ſich der Leiher der Sache zu einem andern Gebrauche, oder behaͤlt er ſee laͤnger, als er ſoll

*) Emprunteur, commodataire, des Empfaͤngers; deſſen, der die Sache annimmt.