— 330—
Das Recht, das aus einer ſolchen Verbuͤrgung ent⸗ ſteht, kann der Mann ſelbſt waͤhrend der Gemeinſchaft ausuͤben, wenn die Schuld von ſeiner Frau herruͤhrt; wobei ſich indeſſen von ſelbſt verſteht, daß die Frau oder ihre Erben, nach aufgeloͤſter Gemeinſchaft ſolchen Buͤrgen das Bezahlte erſtatten muͤſſen.
Fuͤnfter Abſchnitt. Von der der Frau zugeſtandenen Befugniß, ihr Einge⸗ brachtes frei und ledig wieder zu nehmen.
Art. 1514. Die Frau kann ſich ausbedingen, daß ſie in dem Falle, wo ſie auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſtet, das, was ſie vor oder nach der Trauung einge⸗ bracht hat, ganz oder zum Theil wieder nehmen koͤnne. Unter einer ſolchen Verabredung iſt aber nur das begrif⸗ fen, was darin foͤrmlich ausgedruͤckt iſt, und ſie kann nur ſolchen Perſonen nuͤtzen, die darin bezeichnet ſind.
So erſtreckt ſich die Befugniß, das bewegliche Ver⸗ moͤgen, welches die Frau bei der Trauung eingebracht wieder zu nehmen, nicht auf jenes bewegliche Vermoͤgen, das ihr waͤhrend der Ehe zugefallen iſt.
So erſtreckt ſich die der Frau zugeſtandene Befugniß nicht auf die aufſteigenden und Seitenerben.
In allen Faͤllen kann das Eingebrachte nur nach Abzug der perſoͤnlichen Schulden der Frau, welche die Gemeinſchaft etwa bezahlt hat, zuruͤckgenommen werden.
Sechſter Abſchnitl.
Von dem vertragmaͤßigen Voraus*).
Art. 1515. Zuweilen wird im Ehecontrakte durch eine beſondere Clauſel beſtimmt, daß der uͤberlebende Ehe⸗ gatte, vor und unabhaͤngig von aller Theilung, eine ge⸗ wiſſe Summe oder eine gewiſſe Quantitaͤt beweglicher Ef⸗ fekten in Natur vorab nehmen koͤnne. Dies iſt das ver⸗ tragmaͤßige Voraus. Hiezu hat aber die Frau, wenn ſie laͤnger lebt, kein Recht, als in ſo weit ſie die Gemein⸗ ſchaft annimmt; es ſey denn, daß ihr im Ehecontrakte die⸗
*) Préciput conventionnel. 22*


