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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
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1390. Alle örtlichen Gewohnheitsrechte, Geſetze und Sta tute, denen bisher die verſchiedenen Theile des franzoͤſiſchen Gebietes unterworfen waren, ſind durch gegenwaͤrtiges Geſetz⸗ buch abgeſchafft, und es iſt daher den Eheleuten nicht mehr erlaubt, auf eine allgemein ausgedruͤckte Art zu verabreden, daß ihre eheliche Geſellſchaft nach einem von ſolchen Gewohn⸗ heitsrechten, Geſetzen und Statuten ſich reguliren ſolle.

1391. Jedoch moͤgen ſie in allgemeinen Ausdruͤcken er⸗ klaͤren, daß ſie ihre eheliche Verbindung unter das Verhaͤltniß, welches aus der Guͤtergemeinſchaft entſpringt, oder unter das Verhaͤltniß, das aus Feſtſetzung des Brautſchatzes entſpringt, ſetzen wollen.

Im erſten Falle, wenn ſie ſich unter das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft geſetzt haben, werden die Rechte der Ehe⸗ leute und ihrer Erben nach den Verfuͤgungen des zweiten Ca⸗ pitels in gegenwaͤrtigem Titel regulirt.

Im zweiten Falle, wenn ſie ſich unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes geſetzt haben, werden ihre Rechte nach den Verfuͤgungen des dritten Capitels regulirt*).

*) Der Titel von der Ehe im erſten Buche handelt von den per⸗ ſoͤnlichen Verhaͤltniſſen der Eheleute; der gegenwaͤrtige hat ihr Vermoͤgen zum Gegenſtande. Das Verhaͤltniß, worin Eheleute in Ruͤckſicht ihres Vermoͤgens ſtanden, war in Frankreich vor unſerm Geſetzbuche hauptſaͤchlich zweifach. In einem ſehr be⸗ trächtlichen Theile deſſelben(en pays coutumier) war das Vermoͤgen beider Eheleute, unter gewiſſen Ausnahmen, unter ihnen gemeinſchaftlich, oder fiel in die Guͤtergemeinſchaft, oder bei ihnen trat das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft(régime en communautc) ein, wenn ſie nicht ein anderes ausbedungen hatten; in dem andern Theile(en pays de droit éerit) hin⸗ gegen ward der Braut oder angehenden Gattinn ein Braut⸗ ſchatz beſtellt, oder die Braut beſtellte ſich ihn ſelbſt; ihr Ver⸗ moͤgen fiel nicht in die Gemeinſchaft, oder ihre eheliche Ver⸗ bindung trat in Abſicht der Guͤter unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes(régime dotal), wenn ſie nicht ein anderes aus⸗ bedungen hatten, welches letztere jedoch in einigen Provinzen unterſagt war. Unſer Geſetzbuch gibt den Eheleuten in dieſer Hinſicht die uneingeſchraͤnkteſte Freiheit; ſie brauchen keins von beiden Syſtemen anzunehmen; ſie können eins von beiden feſt⸗ ſetzen, und es dabei nach Belieben modificiren; ſie koͤnnen eins von beiden Syſtemen feſtſetzen ohne weitern Zuſatz, wo dann das Geſetz die Wirkungen dieſer Feſtſetzung regulirt; ſie brauchen