—-— 163— Fuͤnfter Abſchnitt. Vom Ueber⸗ und Durchgangsrechte.
Art. 682. Der Eigenthuͤmer, deſſen Grund rund um von andern Gruͤnden eingeſchloſſen iſt, und der keinen Ausgang auf die oͤffentliche Straße hat, iſt berechtigt zu fodern, daß ihm uͤber die Gruͤnde ſeiner Nachbarn der Ueber⸗ oder Durchgang geſtattet werde, damit er ſein Erbe be⸗ nutzen koͤnne; wogegen er eine Entſchaͤdigung geben muß, die dem Schaden, den er verurſachen kann, angemeſſen iſt.
683. Der Regel nach muß der Durchgang auf je⸗ ner Seite genommen werden, wo der Weg von dem ein⸗ geſchloſſenen Grundſtuͤcke bis auf die oͤffentliche Straße am kuͤrzeſten iſt.
684. Jedoch muß er an dem Orte genommen wer⸗ den, wo demjenigen, uͤber deſſen Grund er gehen ſoll, am wenigſten Schaden zugefuͤgt wird.
685. Die Entſchaͤdigungsklage, wovon der Art. 682 ſpricht, iſt verjaͤhrbar, und der Durchgang muß nach wie vor geſtattet werden, wenn ſchon die Klage auf Entſchaͤ⸗ digung nicht mehr zulaͤſſig iſt*).
Orittes Capite⸗ Von den Grundgerechtigkeiten, die im Wil⸗ len des Menſchen ihren Grund häben.
Erſter Abſchuitt.
Von den verſchiedenen Arten der Grundgerechtigkeiten, die auf Grundſtuͤcke gelegt werden koͤnnen.
Art. 686. Es ſteht jedem Eigenthuͤmer frei, ſein Ei⸗ genthum mit jeder beliebigen Grundgerechtigkeit zu be⸗
*) Man muß die Benennung geſetzliche oder vom Geſetze ſelbſt beſtellte Grundgerechtigkeiten nicht mißver⸗ ſtehen. Es wird naͤmlich mit den im 2. Capitel angefuͤhr⸗ ten Grundgerechtigkeiten ſo, wie daſelbſt beſchrieben iſt, gehal⸗ ten, wofern die Eigenthuͤmer unter ſich keine andere Verein⸗ barungen getroffen haben; uͤbrigens konnen ſie durch den Wil⸗ len des Menſchen abgeaͤndert und modiſicirt werden auf jede
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