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gleichen Einreden vorgebracht ſind. Findet es jene Einre⸗ den ſchließend, oder gegruͤndet, ſo wird die Klage auf Eheſcheidung abgewieſen; wo nicht, oder wenn dergleichen Einreden nicht vorgebracht ſind, ſo nimmt es die Klage auf Eheſcheidung an.
247. Sobald die Klage auf Eheſcheidung angenom⸗ men iſt, und auf den Bericht des dazu verordneten Rich⸗ ters, und nach Anhoͤrung des Staats⸗Procurators, ver⸗ fuͤgt das Tribunal uͤber den Grund der Sache. Es er⸗ klaͤrt die Klage fuͤr gegruͤndet, in ſo fern es findet, daß ſte zum Spruche geeignet iſt; wo nicht, ſo laͤßt es beide Theile zum Beweiſe zu; den Klaͤger zum Beweiſe der geeigneten That⸗ ſachen, die er anfuͤhrt, und den Beklagten zum Gegenbeweiſe.
248. Bei jeder Handlung des Prozeſſes koͤnnen die Theile, nach dem Berichte des Richters und bevor der Staats⸗Prokurator das Wort genommen, ihre gegenſeiti⸗ gen Gruͤnde vortragen oder vortragen laſſen, erſtens uͤber die gleich abweiſenden Einreden, und dann uͤber die Haupt⸗ ſache. Aber in keinem Falle kann der Beiſtand des Klaͤ⸗ gers angenommen werden, wenn der Klaͤger nicht in Per⸗ ſon erſcheint.—
249. Gleich nach Vorleſung des Urtheils, das die Zeugenverhoͤre verordnet, lieſt der Gerichtſchreiber den Theil des Protocolls vor, worin die Zeugen benannt ſind, welche die Partheien bereits vorgeſchlagen, und deren Ab⸗ hoͤrung ſie begehrt haben.
Der Praͤſident errinnert ſie, daß es ihnen noch frei ſtehe, andere Zeugen vorzuſchlagen, daß aber von nun an ein ſolches Geſuch von ihrer Seite nicht mehr koͤnne an⸗ genommen werden.
250. Wenn die Partheien einen Zeugen entfernen wollen, ſo muͤſſen ſie die desfallſigen Verwerfungsgruͤnde gegenſeitig auf der Stelle vorbringen. Das Gericht ver⸗ fuͤgt daruͤber, nachdem es vorher den Staats⸗Procurator gehöͤrt hat.
251. Die Verwandten der Theile, ihre Kinder und ſonſtigen Abkoͤmmlinge ausgenommen, koͤnnen aus dem Grunde nicht verworfen werden, weil ſie verwandt ſind. Auch koͤnnen die Dienſtboten nicht aus dem Grunde ver⸗ worfen werden, weil ſie Dienſtboten ſind. Jedoch bleibt


