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236. Jede Klage auf Eheſcheidung muß die Thatſa⸗ chen umſtaͤndlich ausfuͤhren. Sie wird mit den Beweis⸗ ſtuͤcken, wenn deren vorhanden ſind, dem Praͤſidenten des Gerichts oder dem Richter, der ſeine Stelle verſieht, uͤber⸗ geben. Der klagende Ehegatte uͤbergibt ſie perſoͤnlich, es ſey denn, daß Krankheit ihn daran hindere; und in dieſem Falle verfuͤgt ſich, auf ſein Erſuchen und die Beſcheinigung zweier Aerzte, der Beamte in das Wohnhaus des Klaͤgers, um daſelbſt ſeine Klage aufzunehmen.
237. Vor allem hoͤrt der Richter den Klaͤger, und macht ihm diejenigen Bemerkungen, die ihm zweck⸗ maͤßig ſcheinen. Dann ſetzt er auf die Klage ſowohl, als auf die Anlagen, ſeinen Handzug und fertigt uͤber die Uebergabe des Ganzen einen ſchriftlichen Aufſatz(oder ein Protokoll) an, das vom Richter und Klaͤger unterzeichnet wird. Kann aber der letztere nicht unterzeichnen, ſo ge⸗ ſchieht hievon Erwaͤhnung.
238. Unter dem vorbemeldeten Aufſatze beſiehlt der Richter, daß die Partheien perſoͤnlich vor ihm erſchei⸗ nen ſollen, am Tage und zur Stunde, die er beſtimmt, und daß er zu dem Ende eine Abſchrift ſeines Befehls an den Theil gelangen laſſe, gegen den auf Eheſcheidung ge⸗ klagt worden iſt.
239. An dem dazu beſtimmten Tage macht der Rich⸗ ter den beiden Eheleuten, wenn ſie ſich ſtellen, oder dem Klaͤger, wenn er allein erſcheint, alle Vorſtellungen, die, ſeinem Ermeſſen nach, eine Verſoͤhnung bewirken koͤnnen. Gelingt ihm dies nicht, ſo ſetzt er einen ſchriftlichen Auf⸗ ſatz uͤber den Vorgang auf, und befiehlt weiter, daß die Klage mit den Anlagen dem Staats⸗Procurator zuge⸗ ſtellt, und uͤber das Ganze dem Tribunal Bericht abge⸗ ſtattet werde.
240. In den drei folgenden Tagen hoͤrt das Tribu⸗ nal den Bericht des Praͤſidenten oder des Richters, der ſein Amt verſehen hat, und den Autrag des Staats⸗Pro⸗ kurators, und geſtattet hierauf die Erlaubniß vorzuladen, oder ſchiebt ſie noch auf. Der Aufſchub kann aber nicht zwanzig Tage dauern.
241. Hat der Klaͤger die Erlaubniß dazu erhalten, ſo laͤßt er, Kraft derſelben, den Beklagten in der gewoͤhn⸗


