35 Recht nicht mehr gelten ſollte, und doch kein Menſch in keinem Falle, rechtlos ſeyn kann.
Wenn im Lex 2 Cod. Läib. 1. Tit. 17 allen fruͤhern aͤhnlichen Sammlungen die geſetzliche Kraft, und allen Lehrbuͤchern uͤber das roͤmiſche Recht die Autoritaͤt genommen wird, ſo geſchieht dieſes ausdruͤcklich in der Vorausſetzung und aus dem Grunde, weil nach ſorgfaͤltiger Durchſicht aller gangbaren Lehrbuͤcher und beſtehenden Ge⸗ ſetze, aus denſelben alles Anwendbare, was noch galt und gelten ſollte, ausgezogen ſey; und die Verfaſſer der Sammlung uͤberzeugt waren, in der ihrigen ſey alles vollſtaͤndig enthalten, was zu ih⸗ rer Zeit uͤbliches Recht war. Juſtinians Rechts⸗ gelehrte ſollten kein neues Recht ſchaffen, ſondern das beſtehende ſammeln und ordnen. Die Abaͤn⸗ derungen und Zuſaͤtze waren lauter einzelne geſetz⸗ liche Verfuͤgungen. Es war aber auch keine Um⸗ waͤlzung des ganzen buͤrgerlichen Zuſtandes vor⸗ hergegangen. In Frankreich ſollte fuͤr einen
neuen Zuſtand aller Dinge, ein neues allgemei⸗
nes Geſetz gegeben werden: und allein ſchon die Abſicht, die der Staatsrath Portalis der geſetzge⸗


