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Gesetzbuch Napoleons / nach dem officiellen Texte übersetzt von Daniels, Substituten des kaiserlichen General-Procurators bey dem Cassations-Hofe in Paris
Entstehung
Seite
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1. Buch. II. Dit. Von den Aeten des Civil⸗Standes. 23

54. In allen Fällen, wo ein Gericht der erſten Inſtanz üͤber Acte urtheilt, die auf den Civil⸗Stand Bezug haben, können die dabey intereſſirten Parteyen wider den Ausſpruch die üblichen Rechtsmittel ergreifen.

Mehrere von Ihnen haben mir folgende Fragen vorgelegt,

1. Ob das Gericht der erſten Inſtanz, welches vemöge des z0. Artikels des Geſetzbuches Napoleons über die Uebertretungen des Geſetzes, deren ſich die Beamten des Civil⸗Standes ſchuldig machen, als Zuchtgericht nach den durch den 2. Tit. des Geſetzbu⸗ ches uͤber Verbrechen und Strafen vorgeſchriebenen Formen, oder bloß als Civil⸗Gericht nach den Formen des Civil⸗Prozeſſes verfah⸗ ren müſſe;

2. Ob dieſe Beamten, gegen welche nach dem 53. Artikel des nehmlichen Geſetzbuches der kaiſerliche Procurator die Verurthei⸗ lung zu requiriren beauftragt iſt, unmittelbar bey dem Gerichte belangt werden koͤnnen, oder ob zuvor die Klage gegen ſie durch die höhere Obrigkeit autoriſirt werden müſſe.

Der Staats⸗Rath hat über dieſe zwey Fragen ein Gutachten gegeben, welches von dem Kaiſer den 4. Pluvios 12. J. genehmiget worden iſt.

Ueber die erſte Frage war er der Meinung, daß, da das Erkennt⸗ niß über die Uebertretungen des Geſetzes, welche von den Beamten des Civil⸗Standes bey Führung der Regiſter geſchehen ſind, durch den Fo. Artikel des Geſetzbuches Napoleons den Gerichten der erſten Inſtanz eingeraͤumt worden iſt, man dieſe Vergehen nicht vor die Zucht⸗Gerichte bringen könne, ohne den Text des Geſetzes abzuaͤndern und ſeine Strenge zu vermehren.

Ueber die zweyte Frage iſt ſeine Meinung, daß man die Beam⸗ ten des Civil⸗Standes nicht als Agenten der Regierung betrachten kann, und daß ſie daher die Wohlthat des 75. Art. der Conſtit u⸗ tion in Anſpruch zu nehmen nicht berechtiget ſind. Die Verfah⸗ rungsart bey der Klage gegen ſie iſt in den Beweggründen des 2. Ditels des Geſetzbuches Napoleons, ſo wie ſie bey dem Geſetzgebungs⸗ Corps entwickelt wurden, vorgeſchrieben; dort beißt es:Der Commiſſar fertiget einen ſummariſchen Verbal⸗Prozeß; er denuneirt die Vergehen, und trägt auf die Verurtheilung zu den Geldbußen an. u Die Autoriſation der höhern Obrigkeit wird alſo nicht erfor⸗ dert; und dieſer Grundſatz muß um ſo mehr gehandhabt werden, als das Recht der Aufſicht, welches die Regierungs⸗Commiſſare über das Betragen der Beamten des Civil⸗Standes haben! dadurch

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