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Land-Recht für das Großherzogtum Baden, nebst Handelsgesetzen
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Verkündigung, Wirkung, Anwendung d. Geſeze. 3

4. Ein Richter, der ſich weigert einen Beſcheid zu geben, unter dem Vorwand, daß das Geſez den Fall un beruͤhrt laſſe, daß es dunkel oder unzulaͤnglich ſey, kann auf Juſtizverſagung belangt werden.

4 a. Der Richter, wo ihm ein beſtimmter Ausſpruch des Ge⸗ ſezes mangelt, muß auf Grund und Zweck des Geſezes, ſo weit ſie aus ihm ſelbſt erkennbar ſind; ſodann auf den Geiſt des Geſezbuchs, wie er aus der Zuſammenſtimmung ſeiner einzelnen Verfügungen her⸗ vorgeht; nachmals auf die Rechtsähnlichkeit, die aus einzelnen Verfügungen über verwandte Gegenſtände zu entnehmen iſt; lezt⸗ lich auf die Angaben des natürlichen Rechts über einen ſolchen Fall, ſeine Entſcheidung gründen.

4 b. Der Richter darf das römiſche Recht in vergleichende Rück⸗ ſicht nehmen, um für Fälle, wo es darauf ankommen kann, zu er⸗ meſſen, was nach dem Beyſpiel andrer Geſezgebungen für natürliche Rechesfolge gewiſſer Verhältniſſe angeſehen werde; aber nicht um ge⸗ ſezliche Entſcheidungs⸗Gründe daraus zu ſchöpfen, oder Berufungen

der Parthieen auf ſolches zuzulaſſen.

5. Dem Richter iſt nicht erlaubt in der Form allge meinwirkſamer Vorſchriften oder gemeiner Beſcheide die ihm vorkommenden Rechtsſtrittigkeiten zu entſcheiden.

6. Von ſolchen Geſezen, welche die Handhabung der oͤffentlichen Ordnung und der guten Sitten zum Zweck ha⸗ ben koͤnnen Vertraͤge der Unterthanen keine Ausnahme be gruͤnden.

6 a. Jeder Saz dieſes Geſezbuchs ſagt alles, was in Bezug auf bürgerliche Rechtsverhältniſſe in dem Umfang ſeiner Worte unmittelbar oder durch folgerichtige Ableitung gefunden werden kann, ſo weit nicht andre Säͤze deſſelben im Wege ſtehen.

6 b. Was kein Saz dieſes Geſezes geradezu oder folgweiſe

ſagt, iſt in Beziehung auf das bürgerliche Necht nicht Geſez A 2