418 —— der That war auch das Beduͤrfniß einer Pen Legis⸗ lation bei keinem Volke ſo dringend und groͤß, als bei dem, welches in wilder Gaͤhrung das bisherige Band
ſeiner Staatsverfaſſung aufgeldßt und alle vorher noch
ſo heilig gehaltene Verhaͤltniſſe zernichtet hatte. Die g
uͤbrigen, namentlich deutſchen, Nationen, bei wel⸗ chen keine wilde Anarchie, kein zuͤgelloſer Republica⸗
nism geherrſcht, der, Alles uͤber den Haufen werfend,
die Geſetze verſpottete und dem Rechte Hohn ſprach—
dieſe Nationen hatten theils ſelbſt die trefflichſten Ge⸗ ſetze, theils verließen ſie ſich auf die Weisheit des Al⸗ terthumes; kein Wunder daher, wenn ſie in das frem⸗ de Lob nicht ganz einſtimmen, und nur ungern ihre,
lange Zeit hindurch als gut erprobte, Rechtsverfaſſung
mit einem neuen, noch unbekannten, Syſteme vertau⸗
ſchen wollten. Hierzu kommt aber auch, daß vieſe Maͤnner, die am Alten kleben, und ſich bloß in ge⸗ wohnten Kreiſen herum zu drehen im Stande ſind, na⸗
tuͤrlich nur mit empfindlicher Wehmuth und einer ge⸗ wiſſen Bitterkeit an eine Neuerung denken konnten,
wodurch ihre bisherige Thaͤtigkeit gehemmt und gleich, i
ſam unterdruͤckt wurde; ihrer eigenen Duͤrftigkeit ſich hinlaͤnglich bewußt, wuͤnſchten ſie nichts mehr, als daß
ddeer bisherige Schlendrian, dieſes weiche Polſter ihrer ELraͤgheit, ihnen moͤchte gelaſſen werden. Mit einm gewiſſen, vielleicht zu großen, Enthuſiasmus hingegen haben Andere das Studium des neuen Geſetzbuches er. griffen, theils weil alles Neue Reitz fuͤr ſie hat, theils
auch weil das buͤrgerliche Leben ſie in die raͤgliche Nothwendigkeit verſetzt, ſich damit auf das ſchnellſte bekannt zu machen, 5
Nach meiner Ueberzeugung duͤrfen wir Weſtvhalen
wenigſtens, in materieller Hinſicht, uns kein Urtheil mmehr anmaßen, wir duͤrfen nicht mehr uͤber die Zweck⸗ maͤßigkeit oder Unzweckmaͤßigkeit eines Geſetzbuches ur⸗


