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Napoleons Gesetzbuch
Entstehung
Seite
81
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I. Buch. 10. Titel. 2. Cap. 31

Fuͤnfter Abſchnitt. von dem Gegenvormunde.

420. Bey jeder Vormundſchaft ſoll ein Gegenvormund ſeyn, den der Familienrath ernennt.

Seine Verrichtungen beſtehen darin, daß er fuͤr das In⸗ tereſſe der Minderjaͤhrigen ſorgt, wenn ſolches: mit dem des Vormundes im Widerſpruche ſteht.

421. Faͤllt das vormundſchaftliche Amt einer von den im erſten, zweyten und dritten Abſchnitte des gegenwaͤrti⸗ gen Capitels bezeichneten Perſonen zu: ſo ſoll dieſer Vor⸗ mund, vor Antretung ſeines Amtes, zur Ernennung des Gegenvormundes einen, nach der Vorſchrift des vierten Abſchnittes gebildeten, Familienrath zuſammenberufen laſſen.

Hat er, ohne dieſe Foͤrmlichkeit beobachtet zu haben, die Verwaltung uͤbernommen, ſo kann der, auf Anſuchen der Verwandten, der Glaͤubiger oder anderer Intereſſenten, oder auch von Amts wegen von dem Friedensrichter zu⸗ ſammenberufene, Familienrath dem Vormunde, wenn der⸗ ſelbe betruͤglich gehandelt hat, die Vormundſchaft entzie⸗ hen, jedoch mit Vorbehalt der dem Minderjaͤhrigen gebuͤh⸗

renden Entſchaͤdigung.

422. Bey den uͤbrigen Vormundſchaften ſoll die Er⸗ nennung des Gegenvormundes unmittelbar nach der des Vormundes geſchehen.

423. çn keinem Falle darf der Vormund bey der Ernen⸗ nung des Gegenvormundes mitſtimmen, und es ſoll dieſer, den Fall des Vorhandenſeyns vollbuͤrtiger Bruͤder aus⸗ genommen, aus derjenigen von beyden Linien genommen werden, wozu der Vormund nicht gehoͤrt.

424. Wird die Vormundſchaft erledigt oder durch Ab⸗ weſenheit aufgegeben, ſo tritt der Gegenvormund nicht kraft des Geſetzes in die Stelle des Vormundes, ſondern er muß in dieſem Falle auf Ernennung eines neuen Vormundes antragen, bey Strafe der dem Minderjaͤhrigen zu leiſten⸗ den vollſtaͤndigen Schadloshaltung,