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ſein Gebreſte nicht gelindert, vielmehr noch ſchwerer und bren⸗ nender.— Nun iſt aber ein Leiden, gegen das man den rich⸗ tigen Balſam weiß, das allerunerträglichſte, inſofern Einem verboten iſt, ſelbigen Balſam zu gebrauchen. Die Hülfe zur Hand haben, und an der Hand gebunden ſein dergeſtalt, daß man ſie nicht nach der Hülfe ausſtrecken mag— das iſt Kummer und Noth.— So ging's dem armen Gabriel, und zwar ſeit drei oder vier Jahren war's ihm ſchon alſo ergangen.— Drei oder vier Jahre aber klecken nicht einmal; denn ſchon ſeit ſeiner frühen Knabenjugend ſaß ihm der Dorn im tiefſten Herzen, und er mochte davon nicht geneſen. Des Menſchen Gedächtniß iſt Manchem eine Schatz⸗, An⸗ dern eine Folterkammer; zuweilen iſt es Beides zumal: ein Quell von heller Freud', von bitterm Leid. So dem armen Gabriel. Wenn er ausblickte über den Hag ſeines Gartens— nicht nach der Seite, wo die Richtſtätte ſich in alten Zeiten befunden, und wo zu Nacht die Armenſünderſeelen als Irr⸗ lichter ſchweiften— ſondern nach jener, wo ſich ſchon Haus an Haus erhob, Garten an Garten grenzte, um der Stadt Wien immer näher zu wachſen— ſah er nicht ſchnurgerade in ein paar Fenſter, von Weinlaub bekränzt, und von einem zierlichen, faſt herriſchen Dache überſchattet? Was kümmerte es ihn, daß eine alte häßliche Mutter herausſchaute, oder de⸗ ren einäugiger Ehegeſpann, oder der träge räudige Hund, der den Alten diente zur Kurzweil und zum Spielwerk, weil Ke nicht hatten weder Kind noch Kegel? Für den Gabriel guckte immerdar aus ſehem Fenſter ein Engelantlitz, friſch wie ſeine ſchön und roth wie ſie, mit einem Heiligenſchein von


