284
engliſchen Grußes beim Ojo*) de Agua finden wo ich Geſchäfte habe.
Ich verſäumte das Stelldichein nicht. Der Ort, welcher Dio de Agua heißt, iſt eine kleine Waſſerquelle in der ma⸗ leriſchſten Lage, eine Viertelſtunde vom Gehöft entlegen. Am Fuß einer ziemlich niedrigen Böſchung unter kleinen Hügeln fiel die Quelle in ein rundes Becken, auf deſſen Oberfläche Waſſerpflanzen mit ihren breiten glänzenden Blättern ſchwam⸗ men. An der Böſchung hob ſich eine Ceder; ihre untern Aeſte dehnten ſich über den Waſſerſpiegel hin, wohinein fie ihre Franſen von ſchmarotzendem Moos tunkten. Knorrige Acajou's, Sumaks, und auch der gefährliche Palo mulato mit der birkenartig ſich häutenden Rinde drängten ſich in dich⸗ ten Gruppen oberhalb der Ceder. Gegenüber umgab der Hoch⸗ wald eine Lichtung von etwa dreißig Schritten im Durchmeſſer. Ich traf den Merikaner auf weiches Moos hingeſtreckt am Ein⸗ gang eines ſchattigen Durchganges, der in die Lichtung aus⸗ mündete. Seine ſtahlblaue Büchſe lag neben ihm. Ich lobte die Wahl des maleriſchen Ortes, deſſen wilde Schönheit den Reiz der Erzählung nur erhöhen könne.
Mit einem Lächeln, deſſen Bedeutung ich ſpäter erſt be⸗ griff, verſetzte Bermudes:
„Es freut mich, daß ich Euern Geſchmack getroffen; Ihr werdet übrigens bald inne werden, daß der Ort noch viel beſſer gewählt iſt, als Ihr Euch einbildet.“
*) Oijo(Auge) entſpricht in ſeiner Anwendung dem deutſchen Wort: Mündung. Waſſerauge alſo bedeutet hier die Aus⸗ mündung einer Quelle.


