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„Gebt Ihr mir auch darauf die Hand? Dem Wort der Mannen iſt ſchier nicht zu trauen?“—„Hier meine Hand!“ — Ei, ei, fuhr Gottrath, aber nur in ſeinem Sinn fort, da er fühlte, daß Urſe ihm weich und warm, ſo lind und doch ſo ſtark die Hand drückte.
Frau Urſe, da ſie endlich mit einem Seufzer die gefaßte Hand losließ, flüſterte wiederum:„Ich will ihr glauben, der guten, ſanften und getreuen Hand!“
Hierauf ging der Fenſterladen wieder zu.— Ei, ei! ſagte noch einmal in ſeinem Sinn der Sänger, und ſchritt nachdenklich weiter und weiter vom Blumenſtock hinweg.—
Nach ſeiner Gewohnheit klimperte er, ſeinen Gedanken nachhängend, auf der Laute, und ſobald die muntern Klänge in die Luft emporſchwirrten, öffneten ſich Fenſter und Fenſter⸗ chen und muſikluſtige Mädchen zeigten ſich in jedem Stockwerk der Häuſer, die an der Gaſſe ſtanden, und hie und da kamen
die Mütter keichend hinzu, und zogen beim Ohrläppchen die tanz⸗ und fingfreudigen Töchter von dannen.
An der Mündung aber einer finſtern kleinen Gaſſe in der Nachbarſchaft der Rathsſtube ſtand in tiefem Dunkel eine gebückte Mannsgeſtalt, die mit den Worten ſich an den vor⸗ beigehenden Gottrath wendete:„Traurige erquicken, Herr, iſt wohlgethan, und keine Stunde der Nacht dazu zu ſpät!“— Gottrath ließ die Laute, und neſtelte an ſeinem Gurtſeckel, dem vermeintlichen Bettler eine Gabe zu reichen. Der Letztere aber fuhr fort:„Mir fehlt es nicht an Speis und Trank, gelehrter
Meiſter. Aber mein Herr leidet an Seel und Leib, und mich hat geſendet ſeine Hausfrau, Euch zu erwarten hier, und Euch


