Jahrgang 
1855
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Von Ottilie Wildermuth. 3

garten, wo ich jedes Blättlein auswendig weiß, von den langweiligen Po⸗ meranzenbäumen am Eingang bis zu den langweiligen Genien am Ausgang!

Die Bleichſucht? könnte es nicht auch die Schwindſucht ſein? wäre ich die erſte Blüthe, die welkt, eh ihr der volle Frühling aufgegangen?

Warum weilſt du, ſtiller Knabe, Mit dem tiefgeſenkten Blick, Noch verhüllſt du deine Gabe, Streckſt die Fackel ſcheu zurück. Willſt du zagend vor mir fliehen, Weil mein Lenz mich noch umweht, Jugendlich die Wangen blühen Und im Haar die Roſe ſteht? Ach, die Blum' in meinem Haare Gieb mir freundlich in das Grab, Grün begränzt ſei meine Bahre, Eine Roſe fall' ich ab

Du meine Theure, Du wirſt mein nicht vergeſſen, wenn ich frühe ſchei⸗ den ſollte, und ich werde Dir nahe ſein im Flüſtern der Trauerweide auf meinem Grabe.

Aber ich muß ſchließen, Herz, es iſt ſechs Uhr vorüber und heut iſt unſer franzöſiſches Kränzchen, und weißt du, ich trinke den Thee gern noch warm.

Leb wohl, du Glückliche, die ausruhen darf am Buſen der Natur! Die Mutter grüßt Dich mit mir. In Eile

Deine ewig treue Fannh.

Wenn Du Deinen neuen Kragen noch nicht angefangen haſt, ſo laß es

lieber, man trägt jetzt nur kleine Chemiſetten.

2.

Höre und ſtaune, meine Theuerſte! Das iſt der letzte Brief, den Du aus den todten Mauern der Hauptſtadt erhältſt, ich gehe aufs Land, lieb⸗ ſtes, liebſtes Herz, auf's Land.

Fern von der Menſchen Streben, Bin wieder frei gegeben Der alten Einſamkeit, 1*