Jahrgang 
1855
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Rauffahrtei-Radetten.

Von

Heinrich Smidt.

Täglich zweimal nämlich eine Stunde vor Hochwaſſer und eine Stunde nachher ſitze ich auf dem ſchönſten Punkt des Fährhafens und ſchaue auf die Elbe. Dann iſt Leben und Bewegung auf dem Strome, Vollſchiffe und Barken ziehen durch die Blankeneſer Sande; ſo weit der Himmel blaut, ſieht man nichts als Schinken und Lachs.

Als ich noch ein Knabe war, der ſich auf Großvaters Knieen ſchaukelte, und lernend auf die Jollen und Ever deutete, deren brandrothe Segel ſo wunderlich im Spnnenlicht glänzten, machte man mir weiß, das wären nichts als Schinken und Lachſe, die nach allen Seiten hinführen, um die Hungrigen zu ſpeiſen. In ſpäteren Jahren, als ich dieſe Schinken und Lachſe im Sturm reffen und ſie bald aufgeien, bald hiſſen mufßte, lernte ich mit ihnen auch ihre Herren und Meiſter, die deutſchen Seeleute an der Elbe und Weſer, kennen.

Und ich kenne ſie noch.

Glaubt mir, es gibt kein Volk, das eifriger im Seewerk iſt, als das deutſche. Dieſe Beſonnenheit, dieſe Ausdauer ſuchen ihres Gleichen. Wenn wir nicht, wie andere ſeebefahrene Nationen unter unſern Schiffern Namen wie Nelſon, de Ruiter, Tordenſtiold finden, welche ſich durch ruhmreiche Thaten die Glorie der Unſterblichkeit errangen, ſo liegt es nur daran, daß wir keine Kanonenſchiffe haben, an deren Bord allein die Seelorbeern wachſen.

Der deutſche Seemann iſt ſo gut wie jeder andere der Ausbildung fähig. Man gönne ihm nur Mittel und Wege. Ich wollte ſehr gern

Aber warum ſtört man mit dieſem ewigen Lachen meine ernſten Be⸗ trachtungen? Aha! Sie erzählen ſich alte Schiffsanekdoten und winken mir, ihnen zuzuhören. Ich lerne vielleicht etwas.