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„Irre ich mich oder treffe ich auf alte Bekannte? Die Züge der Herrſchaften ſprechen mich wenigſtens ſo an, allein ich vermag mich nicht zu beſinnen. Ich bin übrigens der Graf Wildenaer auf Walden.“ Sie ſtanden auf, und der Mann zog Nataliens Arm wieder in den ſeinen.„Sie irren ſich nicht, Herr Graf,“ ſprach er ruhig höflich,„ich bin der Oberſtlieutenant Jäger, als Adolf Jäger einmal Ihr Förſter da drüben im Forſthauſe. Als ich damals meine Schweſter verheirathet und Ihren Dienſt verließ, nahm ich Kriegsdienſte und habe nach und nach in Oeſtreich und Spanien, in Deutſch⸗ land und Frankreich meine Epauletts mir geholt, endlich meinen Abſchied und meine Frau, die Sie auch einmal als Mädchen kannten. Man nannte ſie damals Natalie Hake.“
Der Graf verbeugte ſich mehrmals leicht.„So? Ei, mein Gott! wie intereſſant!“ rief er dazwiſchen;„ich dachte aber, meine verehrte Frau von Jäger,“ wandte er ſich an dieſe,„ich hätte von Ihrer Verheirathung mit einem Herrn— gehört, entſchuldigen Sie, mein Gedächtniß iſt nicht das ſtärkſte, aber Ihr jetziger Herr Gemahl war es nicht.“—„Meine Frau habe ich als Wittwe geheirathet, Herr Graf,“ gab Adolf ziemlich trocken für Natalie zur Antwort.„So, ach, charmant, entſchuldigen Sie,“ ver⸗ ſetzte Lev mit einer neuen Verbeugung.„Und jetzt,— wenn ich fragen darf?“—„Jetzt ſind wir auf einer Reiſe und ſehen uns die alten Plätze an, wo wir uns zuerſt trafen,“ erklärte der Oberſtlieutenant.„Aber genug von uns. Laſſen Sie uns lieber nach Ihnen und den Ihren fragen, Herr Graf.“ Leo zuckte die Achſeln und wollte wenig Gutes davon wiſſen. Es war auch landkundig, daß er in der unglücklichſten Ehe von der Welt lebte, und daß durch ſein und ſeiner Frau ungeregeltes Wirthſchaften die pracht⸗ volle Beſitzung dem Ruin entgegengeführt wurde. Erſt nach einem ziemlich langen Geſpräch beſtieg er ſein Pferd; im längeren Reden ſchien es, als ſei er nach und nach weniger verſchloſſen und auch weniger kalt geworden. So ſchieden ſie ziemlich freundlich. Die beiden Zurückbleibenden ſahen ihm lange ſchweigend nach.
„Es macht mich doch recht traurig,“ ſprach Natalie endlich zu ihrem Gatten,„er hatte manches Gute und Edle in ſich und hat doch ſo wenig vom Leben gehabt. Weßhalb, wenn die Seinen ihm den einen Lebensweg verſchloſſen, eröffneten ſie ihm wenigſtens nicht einen andern, der ihn in ſeiner Weiſe zum Frieden und Glück führen konnte?“ Er zog die bewegte Frau feſt an ſich.„Weßhalb, Natalie? Weil man ſelbſt ſich das Glück


