Jahrgang 
1855
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6 Der Thalhof.

erkannte, ſagte ſie:Das iſt eine ſeltene Erſcheinung im Bliesthal. Sollten wir noch mehr Beſuch bekommen?

Es iſt mein Wagen, erklärte der Fremde. Sie hatte ſich ſchon in ihrem praktiſchen Sinne über ſeinen Aufzug gewundert und wo er ſo allein, ohne Führer und Reiſenöthigkeiten herkomme, jetzt war es ihr nur noch befremdend, daß ſie ſeinen Namen, wenn er ein ſo alter Bekannter ihres Vaters war, von dieſem, der über ſeine Vergangenheit, wie über all ſeine Verhältniſſe gegen die Seinigen gar kein Hehl hatte, niemals vernom⸗ men haben ſollte. Sie beſaß ein ſehr gutes Gedächtniß und wußte beſtimmt, daß ſie von einem Grüter heut zum erſtenmale gehört. Doch entſchlug ſie ſich der Zweifel, welche in ihr aufſteigen wollten, und knüpfte den Faden der Unterhaltung, der ſo ungeſchickt abgeriſſen worden war, glücklich wieder an. Auch Grüter ſchien es lieb, das läſtige Schweigen endlich auf gute Manier gebrochen zu haben, und ſo ſprachen Beide über naheliegende Dinge, bis ſie den Vorplatz des Thalhofes erreichten.Ich eile voraus, meine Mutter aufzuſuchen, ſagte das Mädchen.Darf ich Sie bitten, einzutreten?

Erlauben Sie mir, hier im Freien unter dieſer herrlichen Buche zu warten, erwiderte Grüter und deutete auf eine Gruppe von leichten Bän⸗ ken und Armſeſſeln, ſämmtlich aus Haſelnußſtämmchen gefertigt, welche im Schatten des majeſtätiſchen Baumes ſtand. Sie neigte ſich freundlich und verſchwand in der Thüre, während er ſich auf einen der Seſſel niederließ und den Kopf in die Hand ſtützte.Dreißig Jahre! murmelte er vor ſich hin.Ich habe mich nach Ausſage aller meiner Bekannten ſo verändert, daß es unmöglich iſt.

Er hatte ſeine Gedanken noch nicht vollendet, als er ſchon Gewänder von nahenden Frauen rauſchen hörte, die Mutter war ſchnell gefunden wor⸗ den und kam mit der Tochter, den unbekannten Gaſt, deſſen Name auch ihr fremd war, zu empfangen. Er blickte auf, er erhob ſich ſchnell dreißig Jahre waren auch an dem Haupte der Frau vorüber gegangen, die ihm hier nahte und die er ſeitdem nicht geſehen hatte, aber er hätte ſie auf den erſten Blick erkannt. Da ſtand ſie plötzlich ſtill:Clemens! rief ſie mit dem Tone der höchſten Verwunderung, und er erſchrack, wie ein ertappter Ver⸗ brecher, ſo daß er die Farbe wechſelte und faſt alle Faſſung verlor. Aber der Ton, mit welchem ſie ſeinen Namen rief, klang zugleich herzlich, und er ergriff die Hand, die ihm geboten wurde, mit Freuden.Das iſt freundlich von Ihnen, daß Sie endlich doch kommen! fuhr die Frau mit ihrem herz⸗