Jahrgang 
1855
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Der Ehalhof.

Novelle von

Bernd von Guſeck.

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In der Heimat! Wie hat dies Wort einen friedlich wohlthuenden Klang für jeden, dem der alte Spruch:Nirgend beſſer, als zu Hauſe! ſo recht aus der Seele geſprochen iſt, weil ihm die Fremde niemals das Glück bereiten kann, das er daheim beſitzt. Man rede nicht vom uralten deutſchen Wandertriebe, nicht vom Fernweh, an welchem manche Seele, die nirgend Ruhe finden kann, leidet, auch der Auswanderer, mag ihn die Noth oder Verblendung oder was ſonſt aus dem Vaterlande getrieben haben, verläßt das alte Heimweſen doch nur, um ſich ein neues zu bleibender Stätte zu gründen, und der raſtloſeſte Weltfahrer, mag er es geſtehen oder nicht, jagt doch im Grunde nur von einem Orte zum andern, weil er den rechten noch immer nicht finden kann, wo es ihm gut ſcheint, Hütten zu bauen.

Dem Manne, welcher nach mühſeligem Aufſteigen die ragende Kuppe, eine Wetterſcheide für die tiefer liegenden Gründe des Gebirges, erreichte, bot ſich dort unten im Thale ein ſo lieblich überraſchender Anblick, daß ihm im eigentlichen Sinne des Worts das Herz in der Bruſt aufhüpfte. Wer dieſe wunderbare Empfindung noch nie gefühlt hat, wird den Ausdruck nur für einen bildlichen halten, und doch iſt ſie Wirklichkeit, nur wird ſie ſeltener und immer ſeltener in der Welt; vielleicht weil das Herz des Menſchen⸗ geſchlechts immer mehr abſtirbt und ſein Pulsſchlag wohl in Momenten wilder Aufregung noch raſen, aber ſonſt nur ruhig ſchleichen kann; die Zeit des fröhlichen Hüpfens ſcheint ihm vorüber zu ſein.

Der Mann war ſchon alt; graues Haar zog ſich unter ſeinem breit⸗ krämpigen Hute über die eingefallene Schläfe hinab, aber ſein Herz ſchlug

Hausblätter. Jahrg. 1855. IV. Bb. 1