Jahrgang 
1855
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478 Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's. ſch

wollte die Stelle bezeichnen, auf welcher die neue Reduction gegründet wer⸗ den ſolle. Sie war aber ungeſund, ſchlecht gelegen und die Indianer ver⸗ warfen ſie, als ſie 400 Mann ſtark angezogen kamen. Die Spanier mußten am Ende nachgeben, und Pauke wählte einen zweckmäßig gelegenen Ort in der Ebene, unweit vom bewaldeten Gebirge an fließendem Waſſer, in fruchtbarer Gegend. Er greift zur Art und in wenigen Wochen werden viertauſend Baumſtämme gefällt, Aecker eingehegt und Hütten gebaut. Der ſpaniſche Kommandant verſagt jede Hülfe, obgleich es ſich weſentlich mit darum handelt, eine zweite Vormauer für die Stadt Santa Feé zu gründen. Endlich gelingt es ihm, den ſtarren Eigenſinn des Spaniers zu brechen. Pauke will eben mit 16,000 Ziegeln, die er in 14 Tagen verfertigt hatte, den Anfang mit dem Aufbau einer Kirche machen; da erſcheint endlich der Kommandant mit einer Anzahl von Arbeitern. Nach einigen Wochen kann die feierliche Uebergabe der Reduction ſtattfinden, denn die Kirche ſteht voll⸗ endet da. Alle Spanier und Indianer erſcheinen zu Roß. Der Kommandant faßt den deutſchen Miſſionär und den Kaziken des Stammes, welcher die Wildniß mit einem Dorfe vertauſchen will, bei der Hand und ſpricht:Ich übergebe als Bevollmächtigter dir, Florian Pauke, und gegenwärtigem Ka⸗ ziken Elebogdin im Namen Seiner königlichen Majeſtät dieſen Grund und Boden als eigenthümlich, und dieſes ſei im Namen der allerheiligſten Drei⸗ faltigkeit.

Während der Kommandant dieſes ſprach, raufte er dreimal Gras aus dem Boden und legte es in Paukes Hand, der es in die Luft werfen mußte. Mit dieſer ſymboliſchen Handlung war die Sache abgethan und die Redue⸗ tion St. Peter gegründet. Im erſten Jahre wurden 111 Perſonen getauft, und 1766 kam wieder ein anderer Kazike und verlangte, daß auch für ihn und ſeinen Stamm eine Reduction gegründet werden möge.

Alles war in gedeihlichſter Entwickelung, immer mehr Indianer ge⸗ wannen das neue Leben lieb und wandten ſich von der Barbarei ab. Da brach der Sturm über die Jeſuiten auch in Südamerika herein, denen man ſchuld gab, ſie hätten ein eigenes mächtiges Reich in Paraguay gegründet und Münzen mit dem Bildniſſe ihres angeblichen Paraguahkönigs Nicolaus geprägt. Im Juli 1766 wurde das Jeſuitenkollegium in Santa von Soldaten umringt und das Gebäude durchſucht; die Patres ſchaffte man vorerſt nach Buenos Ayres. Am 21. Juli erfuhr Pauke dieſe Vorgänge, die auch ſeinen Indianern nicht verborgen blieben. In der ganzen Reduction