474 Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's.
biſchöfliche Kirche überfüllt; die Muſiker aus der Wildniß erregten Bewun⸗ derung; an einem andern Tage mußten ſie beim Biſchof Tafelmuſik machen. Den Pater Pauke ſelbſt wollte man in der Stadt behalten, er ſolle ein Muſikſeminar gründen, mochte ſich aber von ſeinen Mokobis nicht trennen und kehrte nach der Reduction St. Laver zurück.
Aber die Muſik war ihm nur Nebenſache; er legte beſondern Werth darauf, ſeine Pfleglinge zu Handwerkern heranzubilden. Er brachte es da hin, daß 25 Männer recht brauchbare Wagen verfertigen lernten. ier Knaben lieferten ſehr hübſche durchbrochene Bildhauerarbeit, und 40 arbei⸗ teten den untern Theil eines Altars, ein Tabernakel und zwei Altarver⸗ zierungen mit eingelegten Spiegeln. Sechs andere Knaben beſorgten die Vergoldung. Pauke hatte als Lehrer der Handwerker ſich Kammmacher,
Schreiner, Drechsler herangebildet, obwohl ihm Werkzeuge fehlten, welche die Mühe hätten erleichtern können. Drei Jünglinge bildete er zu Schmieden aus. Die Weiber lehrte er Weben und Färben. Den Stoff lieferten ſeine ſiebzehnhundert Schafe. Binnen zwölf Wochen, vom erſten Tage an gerech⸗ net, hatten die Weberinnen 73 gut garbeitete Decken fertig. Dafür bekam Pauke 48 Centner Paraguaythee, 15 Centner Tabak und etwas Zucker. Dieſes alles theilte er an die Fleißigen aus; die trägen Weiber bekamen nichts. Dann bequemten auch ſie ſich zur Arbeit; und die kleinen Mädchen durften auch nicht müſſig gehen. Pauke baute ein Arbeitshaus und hatte die Freude, daß im Laufe eines Jahres„ganz in der Stille ohne allen Zwang“ aus ſeiner Fabrik etwa 300 Decken abgeliefert wurden. Die beſten wurden ihm mit 25, die mittleren mit 12, die ſchlechteren mit 6 Thalern bezahlt und dadurch ſah er ſich in den Stand geſetzt, für die Bedürfniſſe ſeiner Leute reichlicher zu ſorgen. Von nun an trieben die Männer mit weit größerem Eifer die Schafzucht. Sie begriffen, wie großen Nutzen Arbeit ſchafft. Manche Teppiche wurden gegen veredelte Schafe vertauſcht, und allmählig entſtand ein geregelter Handelsverkehr.„Ihre nette ſelbſt⸗ verfertigte Kleidung, ihr gegen die früheren Jahre reichliches Beſitzthum lockte immer mehr Heiden an uns, die ich dann für das Reich feſt und für Arbeitſamkeit und gute Sitten gewann.“
Mit Pauke arbeitete Pater Joſeph Brigniel aus Klagenfurt, der früher 30 Jahre lang Miſſionär bei den Guaranis geweſen war. Der vielerfah⸗ rene Mann konnte ſich nicht genug wundern, daß es unſerm Pauke in ſo kurzer Zeit gelungen war, die Mokobis der Reduction St. Kaver„aus


