472 Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's.
früher eins ihrer Kinder bald nach der Geburt erwürgt hätte. Es war etwas ganz Gewöhnliches, die Neugeborenen zu ermorden, ſobald ſie durch Geſchrei oder auf irgend eine andere Weiſe läſtig wurden, oder wenn eine ohnehin ſchon zahlreiche Familie durch Zuwachs in Nahrungsverlegenheit kam. Einſt wollte ein Vater einen hübſchen, acht Monate alten Knaben tödten; Pauke kam darauf zu und kaufte das Kind um— vier Ellen Lein⸗ wand. Er erzog den Kleinen und ſtellte ihn vierzehn Jahre ſpäter ſeinem Vater vor, dieſer ſah ſeinen Sprößling an, ſprach:„Vielleicht iſt er es,“ redete dann augenblicklich über einen andern Gegenſtand, und ging fort, ohne auch nur einen zweiten Blick auf den Sohn geworfen zu haben. Der⸗ gleichen iſt öfter vorgekommen. Und aus ſolchen Wilden mußte Pauke Menſchen machen.
Auch die Habgier der Indianer, insbeſondere der Weiber, benützte der Miſſtonär ſehr geſchickt. Er gab nie ein Geſchenk ohne entſprechende Gegen⸗ leiſtung an Arbeit. Er verbrannte ihre Karten und Würfel, die ſie von den Spaniern erhalten hatten, erlaubte aber das Kugelſpiel. Eine Schat⸗ tenſeite tritt an ihm hervor; er kettete durch Geſchenke die halberwachſenen Knaben immer enger an ſich.„Sie waren mir ſehr nützlich, den Unord⸗ nungen in meiner Gemeinde auf die Spur zu kommen.“ Er erfuhr durch ſie, wann und wo heimliche Trinkgelage ſtattfanden, oder wo geiſtige Ge— tränke verborgen gehalten wurden. Dann trat er unter ſie, ſtach wie durch ein Verſehen mit ſeinem ſpitzigen Stocke in die irdenen Gefäße, und der Trank feuchtete nicht die Kehlen der Indianer, ſondern den Erdboden. Der Zweck war gut, aber das Mittel war verwerflich. Doch handelte Pauke in gutem Glauben.„Es iſt ein ſüßes Gefühl, Gutes gewollt und mit höherem Beiſtand ausgeführt zu haben. Mühe und Nachdenken koſtete es genug, um die böſen Eigenſchaften meiner Neulinge zu ergründen, um ſie auszurotten.“ Viel zu ſchaffen machte ihm namentlich die Verſtellungskunſt der Weiber. Er erzählt davon merkwürdige Beiſpiele. Hören wir ihn ſelber.
„Oft wurde ich Nachts zu einer Sterbenden gerufen. Ohne Athem fand ich ſie und ohne Bewegung; ſie ſchien meine Gegenwart durch keinen Sinn zu bemerken. In Ermangelung eines andern Reizmittels nahm ich ein Kuhhorn, füllte es mit glühenden Kohlen und legte ſchmutzige Schaf⸗ wolle darauf; dann hielt ich es ihr unter die Naſe. Sie ſchöpfte Athem, und ich beeilte mich, ihr die bedingte Abſolution zu ertheilen. Da ſich aber dieſe Fälle ſehr oft ereigneten, kamen mir dieſe plötzlichen Todesgedanken
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