Ein deutſcher Mann unter den Wilden Südamerika's.
Von
Hermann Emmerich.
Mehr als genug erzählt man uns wieder und immer wieder von nordamerikaniſchen Hinterwäldlern und Fallenſtellern, von Prairiebränden und eiſigen Wüſteneien in den Felſengebirgen, von Büffeln und Rothhäuten. Nur werden gewöhnlich die hohen Verdienſte, welche die deutſchen Anſiedler ſich um den Anbau des Landes erwarben, mit Stillſchweigen übergangen. Die vielgerühmte Civiliſation der Yankees hat es aber bis auf den heutigen Tag nicht dahin bringen können, daß ſie den Indianer ſchonte, ihn wirklich vermenſchlichte; ſie ſteht auf Blut, Mord und Trümmern. Viele eingeborene Stämme ſind im Laufe von etwa dritthalbtauſend Monaten gänzlich ver⸗ ſchwunden; und welche Ergebniſſe mit den Indianern am rechten Ufer des Miſſiſſippi erzielt werden, kann erſt die Folgezeit lehren. So viel zeigt uns die Geſchichte, daß in Nordamerika alle einheimiſchen Völker theils raſch, theils langſamer an Zahl ſich vermindern, ſobald ſie mit weißen Menſchen in fortdauernder Berührung ſtehen.
Den ſchroffſten Gegenſatz zum Yankee bildet der Jeſuit in Süd⸗ amerika. Zwar nicht mehr in unſeren Tagen, denn die Anſiedelungen, welche die Patres der vielgeſchmähten und vielbelobten Geſellſchaft in der neuen Welt gründeten und zu hoher Blüthe brachten, ſind verfallen; wohl aber vor etwa einhundert Jahren. Die Jeſuiten haben es noch weit beſſer verſtanden, den Indianer der Steppe und des Waldgebietes, der ewig ein Kind bleiben wird, zu behandeln, als ſelbſt die wohlwollenden und wackeren Herrenhuter. Und unter den Jeſuiten ſind es in nicht geringer Zahl Deutſche geweſen, welche bei der Vermenſchlichung der Wilden vorzugs⸗ weiſe günſtige Reſultate aufweiſen können. Ihre Hingebung, ihre Ausdauer


