Jahrgang 
1855
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Von Joſeph Ennemoſer. 223

5.

Das Hirtenleben.

Mancherlei Freude brachte die Schulzeit mit ſich: die Geſellſchaft der Schüler zu Rabenſtein und auf dem Wege dahin denn von Hitt gingen zwei Knaben und zwei Mädchen in die Schule, den Wetteifer, nicht nur in gewiſſen Spielen und Ringkämpfen, ſondern auch im Lernen ſich aus⸗ zuzeichnen; die Aufmunterung und das Lob der Angehörigen zu Hauſe, in deren Mitte die frohen Abende zug ebracht wurden. Wie ſtach dagegen die ſtille Einſamkeit des Hirten ab, der im öden Thale und auf rauhen Bergen, ausgeſchloſſen von allem Menſchenverkehr, vom frühen Morgen bis zum ſpäten Abend ausharren mußte!

Kaum hatte die Frühlingsſonne den Schnee in den letzten Tagen des April auf einigen abſchüſſigen Bergeshalden geſchmolzen, ſo wurden ſchon die Ziegen und Schafe unter Tags dahin getrieben, wo ſie ſorgfältig ge⸗ hütet werden mußten, damit ſie, beſonders anfangs, nicht ſogleich wieder nach Hauſe oder in die Felder liefen. Zu dieſem Geſchäfte wurde ich ſchon frühzeitig und vor der Schule von dem jüngeren Vetter abgerichtet, der mir alle Wege und Stege, alle ſchönen und gefährlichen Plätzchen zeigte, die ich ſuchen oder meiden, wohin ich die Ziegen treiben oder von wo ich ſie abwehren ſollte, wohin ich bei ſchlechtem Wetter zum Unterſtehen vor dem Regen und Schnee mich flüchten, wie ich mir Feuer machen könnte, und wie hoch die Schatten Abends auf die Berge geſliegen ſein mußten, um zur Heimfahrt zu mahnen.

Als ich in meinem neunten Jahre ſchon allein mit etwa 20 Ziegen und einigen Schafen, welche dann bald einer größeren Heerde beigegeben wurden, des Morgens auszog und eine halbe Stunde weit noch durch Schnee und Eis tiefer in das Thal der Alpe wanderte, und dort beſonders anfangs, wo der Schnee noch die Weideplätze der Hirten trennte, ganze Tage allein aushalten mußte, da war mein ſonſt immer froher Muth oft recht klein und das beklommene Herz ſchnürte auch den Schlund ſo zu, daß ich von dem mitbekommenen Brode den ganzen Tag nichts genaß. Es befiel mich ein