Von Joſeph Ennemoſer. 215
Es iſt aber auch unvergleichlich ſchön auf dieſem Schneeberge, eine ſo dünne, herrliche und ſo geſunde Luft gibt es nirgends an mir bekann⸗ ten Orten; bei ſchönem Wetter ſah ich öfters die Venus am hellen Tage über den Bergen glänzen.— Die Kirche und die Kauren des oberen Berges liegen auf einer breiten, etwas geneigten Ebene, welche im Drei⸗ viertelkreis in die fetten herrlichen Weideplätze ſtundenweit ausläuft und dann erſt in die ſteilen Berggipfel aufſteigt. Eine Stunde höher liegt nörd⸗ lich der Schwarzſee, welcher Dreiviertheile des Jahres zugefroren iſt und doch noch köſtliche Forellen hat. Geht man fünf Minuten weit von der Kirche gegen Süden, ſo ſteht man auf einer plötzlich ſenkrecht abſchüſſigen Anhöhe, wo man eine ganz neue ergreifende Ausſicht genießt. Im Vogel⸗ blick tief unter uns die Kauren und die Pucher der Knappen des untern Berges, daneben ein kleiner See und rings herum die Schaf⸗ und Kuh⸗ heerden von Saltnuß. Tiefer unten nach allen Seiten breiten ſich die Alpen und die Bergmähder aus. Erſt eine Stunde tiefer unter dem Schneeberg fängt das Holz und die dünne Waldung an, wo man die Sommerkaſern bei den Wieſen der Saltnuſſer ſieht. Noch tiefer unten endlich ſehen wir die angebauten Felder und Häuſer von ganz Hinterſee und das von da abſenkende und in die blaue Ferne vom Etſchland auslaufende Thal von Paſſeyer.
Nach dieſem Ausflug kehren wir in die Heimat zu Hitt zurück, wohin auch die Hirten täglich aus den Alpen und von Schön berg ſich zu ihrem Nachtquartier begeben.
Bau und Einrichtung des Hauſes iſt jenem meiner Eltern in Schönau ſehr ähnlich. Meine Großeltern hatten ihre beſondere Abtheilung neben einem andern Bauern unter Einem Dache. Zu ebener Erde waren Stube, Küche ꝛc. zu dem allgemeinen Wirthſchaftsverkehr, über eine Stiege die Schlafkammern. Ich ſchlief im Winter mit einem Vetter in einer ſolchen Kammer, die aus ſchlecht zuſammengefügten Balken beſtand und nur eine ſehr kleine mit einem Brettchen verſchiebbare Fenſteröffnung hatte. Sehr oft hatten wir beim Erwachen des Morgens dicken Schnee auf unſerer Decke, welcher vor dem Winde durch die Ritzen drang. Im Sommer ſchliefen wir im nahe gelegenen Stadel, auf dem Kuhſtall, deſſen eine Wandſeite ganz offen war und nie geſchloſſen wurde. Wir verließen dieſe reizende unvergeß⸗ liche Schlafſtelle ſehr ungern im Spätherbſt beim Einbruch des Winter⸗ ſchnees, denn das muſikaliſche Schellengeläute der unter uns wiederkäuenden


