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Von Joſeph Ennemoſer. 213
decken. Unbeſchreiblich ſchön iſt hier in dieſer klaren Luft bei abwechſelnd leichten über einander hinziehenden weißen Nebelſchichten eine helle Mond⸗ nacht, in der die Berggeiſter auf den nahen Hügeln und fernen Kuppen in ihrem magiſchen Zauber erſcheinen und unſer Gemüth zu melancholiſchen Gefühlen und phantaſtiſchen Viſionen über die überwältigende Größe der Natur und die klägliche Schwäche des Menſchen ſtimmen. In Wahrheit, die Volksmärchen von dieſen Berggeiſtern— Norken— von ihrer Ge⸗ ſchäftigkeit und Verwandlung, von ihrem Spuck und Trutz haben darin ihren natürlichen Grund.— Wenden wir uns füdlich von Hitt, ſo liegt eine etwas geneigte Fläche von Wieſen und Aeckern vor uns; eine Viertelſtunde weiter ſehen wir in gerader Linie oberhalb der angebauten Felder und am Saume des Waldes die Kaſern der Bauern von Rain, und wieder eine halbe Stunde weiter auf derſelben Linie die Kaſern von den Bauern von Imen, wo ſie während des Sommers ihre Kühe⸗ und Ziegenheerden einſtallen, und täglich durch Hitt auf die dahinter beginnenden Alpen des Morgens aus⸗ und Abends wieder heimtreiben. Ganz in der Ferne ſchaut das mit einem Gletſcher gedeckte Hochgebirge oberhalb Platt herein, welches Paſſeyer und die Gegend von Meran trennt. Kehren wir den Rücken nach Raben⸗ ſtein, ſo haben wir vor uns den breit auslaufenden zuerſt in Wald⸗ und Bergmäder und dann in die Alpen des Pfauſes bis zu einer Höhe von 8000 Fuß aufſteigenden Berg, welchem an Fruchtbarkeit des Graſes, an Mannig⸗ faltigkeit der Abwechslung von Blumen und Kräutern, an Schönheit der Lage kein anderer in Paſſeyer gleicht.
Nordweſtlich führt uns ſogleich der Weg von den Häuſern dem Rande entlang eine Strecke weit Saltnuß gegenüber auf die rückwärts beginnenden Weideplätze, ſo daß der Weg links und rechts eingezäunt iſt, um uns dort vor dem Fall in die Tiefe des unten vorbeiſtromenden Baches zu ſchützen, und rechts die fetten Wieſen einzufrieden, die ſich aufwärts ziehen.
Dieſer Weg führt auf den Schneeberg, einen Erzſtock, wo ſchon 1402 ein Bergbau auf Silber und Kupfer und vorzüglich auf Blei getrieben wurde, bei dem ſich die Fugger, die Tänzler, die Klingler und auch Fürſten, wie Erzherzog Sigmund, Kaiſer Ferdinand I. ꝛc. betheiligten. In ſeiner größten Blüthe im ſechszehnten Jahrhundert waren über tauſend Knappen veſchäftigt. Es wurden im ſiebzehnten Jahrhundert großartige Gebäude auf⸗ geführt, von denen die Ruinen zum Theil noch daſtehen; 1722 wurde eine recht ſchöne Kirche gebaut, ein Wirthshaus ſtand ſchon lange da, welches


