Jahrgang 
1855
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480 Dieſſeits und jenſeits der deutſchen Alpen. Von Friedrich Lampert.

männer und Deutſche eingezogen waren, hielten auch wir unſern Einzug in die alte Stadt. Man will es in die Rumpelkammer der Städte werfen dieſes Trento, allein ſo ſchnell geht das nicht, in den verfallenen Mar⸗ morpaläſten, den breiten Straßen, überhaupt den ſtattlichen, balkonge⸗ ſchmückten Häuſern, den hohen Kirchen trägt ſich noch heller Glanz und Schimmer zur Schau. Trient iſt eine ſehr belebte Stadt, und wenn das auch nicht wäre, ſo könnte ſte immer noch von dem Leben zehren, das ſie vom vierten bis ſechsten Decennium des ſechszehnten Jahrhunderts ge⸗ ſehen hat.

Nach dem Brennpunkt dieſes einſtigen Lebens zog es mich zuerſt, nach der Kirche Sanct Maria Maggiore; es war abendlich ſtill in den einfach würdigen Räumen; da wo einſt der bittere Redekampf getobt hatte, ein Anathema nach dem andern geſchleudert, die Streitfackel gegen dieabtrün⸗ nige Kirche zu neuer Glut entzündet worden war, regte ſich jetzt kein Laut, brannte düſter die ewige Lampe, mit den letzten Sonnenſtrahlen ein mattes Licht auf das große Gemälde werfend, auf dem die Väter des Conecils männiglich abgebildet ſind. Erhabener und großartiger als dieſer heilige Seſſionsſaal der oft etwas unheiligen Kirchenverſammlung iſt der Dom mit ſeinen zwei Kuppeln und dem Löwenpaar an ſeinem Portale; er gibt dem Platz, auf dem er ſteht, ein imponirendes Anſehen, und der Juſtiz⸗ palaſt, der Springbrunnen und die andern umliegenden Gebäude ſind ein würdiges Relief ſeiner Größe. So lange es der Tag erlaubte, durchſchlen⸗ derten wir Trient, gingen auch außerhalb der Thore, wo ſchöne Promena⸗ den, hübſche Landhäuſer und das Caſtell, in welchem das alte in ein neues aufgegangen zu ſein ſcheint. Wir näherten uns Deutſchland wieder, das ſagte uns ſchon die Miſchmaſchſprache, die wir hier fanden; man ſpricht in Trient ſelten jemand vergeblich deutſch an, doch iſt Leben und Sitte noch völlig wälſch, und darum ſaßen wir auch noch lange vor dem Café, um uns am letzten Sorbetto noch einmal ein Gütliches zu thun.