468 Dieſſeits und jenſeits der deutſchen Alpen.
philiſtermäßigen Ausſehen der Stadt herausgeleſen. In den Straßen, welche größtentheils von Arkaden eingefaßt ſind, ging es recht lebhaft zu, zwar weniger von den Zöglingen der Hochſchule, denn ſolche waren der Mehrzahl nach ſchon in die Ferien ausgeflogen, aber von allerlei Volk aus Stadt und Land, das der Sonntag hin und her trieb. Die maleriſchen Trachten der Landbewohner, die mit Weib und Kind auf dem zweirädrigen, von Maulthieren gezogenen Wagen zum Thor hereingefahren kamen, wech⸗ ſelten originell mit der eleganten Feiertagtoilette, in der die Paduanerinnen zur Kirche ſchwebten. Paduas Frauen ſcheinen von der Schönheitsſonne Italiens beſonders freundlich angelächelt zu werden, denn ich habe faſt nicht Ein häßliches Geſicht geſehen, im Gegentheil eine wahre Schönheitsgallerie zogen jene Kirchgängerinnen an uns vorüber. Wir folgten ihnen und dem Glockenruf: der erſte Gang von dem prachtvollen Café Pedroechi mit ſeinen WMarmorſülen und Säulenhallen galt der Kirche des heiligen Antonius. Auch wenn man von Venedigs Kirchen kommt, muß man die Paduas und vor allen die des heiligen Antonius erhaben, würdevoll, vollendet finden. Es war gerade Hochamt; an allen Altären faſt celebrirten Prieſter; überall knieten in die reizenden, weißen, Kopf und Schultern überwallenden Schleier gehüllte Beterinnen— und dieſes reiche, lebendige Innenbild der Kirche, noch dazu in der ſtreitenden Beleuchtung des Kerzen⸗ und Sonnenlichtes, feſſelte faſt mehr und dauernder als Sanſovino's Hautreliefs in der Kapelle del Santo.
Von der Kirche hatten wir nicht weit zum botaniſchen Garten, be⸗ kanntlich dem älteſten Europas. Wir hatten Grüße an ſeinen Director aus⸗ zurichten; da aber il Signor professore noch im Schlummer lag, begnügten wir uns, unſere Karten abzugeben, und wanderten mit dem gefälligen Aufſeher durch die reichhaltigen Gänge und Anlagen. Von den höchſten Bäumen, worunter namentlich prächtige Corniferen, bis zu den kleinſten Flechten findet alles ſeine Vertretung. An einen Baum, eine Palme(„Palma di 6öthe“) knüpft ſich Göthe's erlauchter Name.
Von hier kamen wir zu der ſchon von weitem durch ihre edlen Ver⸗ hältniſſe auffallenden Kirche der Santa Giuſtina, deren Inneres ebenfalls auf Herz und Gemüth äußerſt wohlthuend und anregend wirkt, in deren Nähe die Straße nach Arqua, Petrarca's Geburtsſtätte führt, vor der der große Prato della valle liegt, das originellſte Album ihrer cives academici, das eine Univerſität beſitzt,— der kreisrunde Raſenplatz, den Marmor⸗


