Jahrgang 
1855
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Von Robert Schweichel. 243

zu dieſem jammervollen Verſuch treibt. Das iſt's!Sie verlangen zu viel von dieſen armen, gedrückten Leuten.O, ich mache dieſen Vor⸗ wurf nicht gerade ihnen: er trifft die ganze Nation.Kennen Sie die Nation denn ſo genau? fragte Alfred ſcharf.

Ich habe die Deutſchen in England, in Frankreich und Amerika ge⸗ ſchen und ſehe ſie täglich hier. Das Waadtland iſt mit ihnen überſchwemmt. Ueberall zeigen ſie dieſelbe Devotion, dieſelbe Aufgabe des Selbſtgefühls. Und überall in der Fremde finden Sie dieſe Deutſchen in Brod und Wohlſtand. Nicht?Weil ſie ſo unterwürfig und kriechend ſind! Weil ſie zäher ſelbſt als der Angelſachſe und fleißiger und unterrichteter als der Franzoſe ſind.

Mein Herr, brauste der Andere auf,Sie wagenNicht mehr als Sie! Ich vertheidige meine Nation, Sie die ihrige, verſetzte Alfred.O, höhnte er, da Ihre Landsleute die trefflichen Eigenſchaften

jener beiden Nationen überbieten, ſo wandern ſie wohl aus, die Welt zu

germauiſixen 2*Ich weiß, entgegnete Alfred,daß dies die Franzoſen zu meiſt fürchten.

Sein Gegner warf ihm einen ſtechenden Blick zu; doch er fuhr ruhig fort:Warum ſie ihr Vaterland verlaſſen, wiſſen Sie ſo gut wie ich. Aber wohin ſie kommen, bringen ſie deutſchen Fleiß, Deutſche Beſcheidenheit, deutſche Sitte und Geſittung. Die Geſchichte nöthigt ſie, ihre Sprache auf⸗ zugeben; ſie verwandelt ein ruhiges Volk in Zigeuner; allein dieſe Zigeu⸗ ner der Civiliſation tragen die Humanität in die Urwälder Amerika's, in das Herz Frankreichs, wie in die Berge dieſes Landes. Das deutſche Ele⸗ ment iſt für Amerika wie für die Schweiz die Garantie der Freiheit. Ohne daſſelbe wäre die Schweiz längſt in ihre drei Beſtandtheile auseinander gefallen. Die Herren Franzoſen mögen wohl ein freies Genf, ein freies Waadtland; doch an einer freien Schweiz iſt ihnen wenig gelegen und ſie haſſen deutſchen Landsleute wie dieſe ihre Brüder jenſeits des Rheines

fürchten. 5 Ich entſinne mich, erwiderte der Andere mit erkünſtelter Ruſund Nachläſſigkeit,daß die Deutſchen eine Revolution verſucht haben. Sie ſoll nicht gut abgelaufen ſein?Die Franzoſen haben deren drei gemacht, ohne einen Schritt vorwärts gekommen zu ſein. Sie ſind heute noch ebenſo politiſch unreif, wie zur Zeit der Girondiſten.Mein Herr, was wollen

Sie damit ſagen?Nichts als daß der Deutſcheni poisson, ni chère,

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