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224 Helgolandika.
Da findet man einen„Judentempel und eine„engliſche Kirche“, einen „Mönch“ und einen„Pradtſtuhl“(Predigtſtuhl), eine zahlreiche Menge verſchiedener„Hörner,“„Oſten“(dunkle Höhlen) und„Gatte“(ausge⸗ waſchne Thore); für andere hat die Aehnlichkeit mit einer Thiergeſtalt, („Hengſt“), das Niſten von Vögeln, oder irgend ein jetzt nicht mehr be⸗ kanntes Ereigniß, eine angeſchwemmte Leiche, ein Unglücksfall und dgl. die Benennung veranlaßt.
Dieſe Seite der Inſel iſt es, welche ſeit einer Reihe von Jahren Hein⸗ rich Gätke die Motive zu den meiſten ſeiner größeren und kleineren Seebilder gegeben hat, und ſeitdem von ſeinen feſtländiſchen Kunſtgenoſſen alljährlich mit mehr oder weniger Geſchick ausgebeutet wird. Ihr Anblick iſt es aber auch vorzugsweiſe, der dem Beſchauer die Frage nach den zerſtörenden Kräften aufdrängt, die hier gewaltet, und nach dem Schickſale, das in kürzerer oder längerer Zeit dieſes Eiland erwartet.
Wenn man eine der zahlreichen Beſchreibungen von Helgoland liest, ſo kann man ſicher ſein, in derſelben der melancholiſchen Klage zu begeg⸗ nen über das traurige Geſchick der armen Bewohner dieſer dem ſichern Un⸗ tergange geweihten Inſel, die in nicht mehr ferner Zeit dem Meere zur Beute werden müſſe. Wienbarg glaubt ſogar in dem ganzen Weſen und Behaben der Helgolander„eine tragiſche Sympathie mit ihrem der Vernich⸗ tung geweihten Felſen“ zu bemerken. Allein das letztere iſt eben nur eine poetiſche Redensart. Die Helgolander denken nicht an einen ſolchen baldi⸗ gen Untergang ihres„Landes.“ Und ſie thun recht daran. Denn jene me⸗ lancholiſchen Ahnungen der Zukunft haben eben ſo wenig Begründung, wie die Fabeln von der vergangenen Größe Helgolands, mit denen ſie in engem Zuſammenhange ſtehen. Der Einzige, welcher über die Wirkung der zerſtörenden Kräfte, die hier ins Spiel kommen, ſtatt phantaſtiſcher Träumereien gründliche Unterſuchungen angeſtellt, der wackere Wiebel, hat den ſchlagenden Beweis geführt, daß es mit jenen Befürchtungen nichts iſt. Wie ſich die Angaben der Chroniſten über die ungeheuren Veränderungen durch zerſtörende Fluthen in mäßige Drſtruktionen verwandeln, welche im Laufe von fünf Jahrtauſenden die alte Felsruine kaum um einige hundert Fuß verringert haben, ſo ergibt ſich auch als höchſtes Maß der Vermin⸗ derung, welche die Inſel durch das Zuſammenwirken aller zerſtörenden Kräfte im Ganzen erfahren mag, eine Abnahme von kaum mehr als zwei Fuß für einen Zeitraum von hundert Jahren. Die Helgolander mögen alſo


