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222 Helgolandika.
oſten hin in einer Weiſe, daß, wenn man es von der Höhe des Leuchtthurms aus ſieht, einem zu Muthe wird, als könne einmal das ganze Oberſtädt⸗ chen, das wie ein müder Vogelſchwarm gegen den Rand der niedrigſten Seite hin ſich niedergelaſſen hat, mit einem Rucke ſammt der Erdſchicht, auf der es ruht, abrutſchen und ins Meere ſtürzen. Denn die höchſte Erhebung an der Nordſeite iſt 193 Fuß, während die Oſtecke nur 87 Fuß über dem Meere liegt. Die kleinen Hügel, welche ſich hier und da auf der Fläche von zehn bis zu zwanzig und einigen Fuß erheben, ſind theils Grabhügel aus altheidniſcher Zeit, wie der ſogenannte Baake⸗ Berg, auf dem die alte Feuerbläſe ſteht, bei deren Bau man Graburnen und Gebeine unter dem Hügel fand; theils ſind ſie, wie der ſogenannte Moderberg, der Flaggen⸗, Gieß⸗ und Radberg durch Bauausgrabungen entſtanden. Die kindiſche Schwärmerei der Vertheidiger von Helgolands einſtiger Größe hat aus dieſen Maulwurfshaufen wirkliche Berge, aus dem Moder berg einen mit dem Tempel des Gottes gekrönten Marsberg und aus dem Radberg, der kaum für ein Schilderhaus Platz hat, einen Rad⸗ bodsberg gemacht, von dem herab ein ſtattliches Burgſchloß des alten Frie⸗ ſenkönigs ins Meer geſchaut haben ſollte! Einer von dieſen Hügeln hieß noch vor etwa hundertundfünfzig Jahren der St. Tit'sberg und erhielt durch dieſe Benennung den letzten Reſt des einſtigen ultheidniſchen Foſites⸗ dienſtes. Die chriſtlichen Geiſtlichen hatten ihrem Prinzip getreu, aus dem alten Gotte Foſite oder Tius einen St. Tit's gemacht, der als ſol⸗ cher gleichfalls ſein altes Amt, der Fiſcherei Gedeihen zu ſchenken, fort⸗ ſetzte. Iſt doch ſelbſt der Name Helgoland oder vielmehr ſeine Deutung ein Werk der chriſtlichen Bekehrer. Sei es aus Unkunde der Sprache, ſei es in bewußter leicht erklärlicher Abſicht ward aus dem alten Halligland, d. i. Hochland, ein Heiligland. Denn hier hatte, wie ſie den Neubekehrten erzählten, die heilige Urſula einſt mit ihren eilftauſend Jungfrauen durch die Heiden den Untergang gefunden, und der Zorn Gottes dafür zur Strafe die verheerenden Fluthen über die Inſel geſendet.
IX.
Den 7. September 1854.
Man kann bei Ebbezeit und ruhigem Wetter die Inſel umgehen, und bei früheren Beſuchen habe ich ſelbſt einmal den Gang gewagt. Denn ein
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