Zur Geſchichte der Taſchenſpielerkunſt.
Von Hugo Schramm.
Bei der jedem Menſchen angeborenen Neigung, ſich gerne Illuſionen hinzugeben und in angenehmen Täuſchungen zu wiegen, darf es uns nicht wundernehmen, wenn ſich ſelbſt in unſeren Tagen gewandte Präſtigiateurs nicht über ſchlechten Beſuch ihrer Vorſtellungen zu beklagen haben, zumal wenn ſie den ſchon oft geſehenen Kunſtſtücken immer wieder ein neues ſchil⸗ lernd blendendes Mäntelchen umzuhängen verſtehen. Nicht nur wie Alber⸗ tus Magnus, der den geheimen Naturkräften nachgeſpürt und in der Wech⸗ ſelwirkung der Körper auf einander ein Syſtem der„Influenzen“ aufgeſtellt hatte, geeignet,„den Himmel auf die Erde zu ziehen“, wiſſen unſere heutigen Magier den Frühling einzufangen, während Schnee und Eis die Fluren be⸗ deckt, und einen Pomeranzenbaum alle Stadien ſeiner Entwickelung von der ſproſſenden Knoſpe bis zur Blüthe, ja bis zur reifenden Frucht in wenig Augenblicken durchlaufen zu laſſen; nein, auch ſelbſt Geiſter verſtehen ſie zu citiren, wie weiland der„weitbeſchreyte Zauberer und Schwarzkünſtler, der wunderbarliche und ſeltzame Abenteurer Dr. Johannes Fauſtus“, der nach Verſchwendung einer reichen Erbſchaft ſeines Oheims auf 24 Jahre einen Pakt mit dem Teufel geſchloſſen und von dieſem einen Geiſt, ſo Mephi⸗ ſtopheles*) genannt, zur Verfügung geſtellt erhalten hatte.
*) Der Name Mephiſtopheles iſt zweifelsohne aus dem Hebräiſchen ab⸗ zuleiten. Er iſt eine Verbindung der zwei Wörter mephir(d. h. Zerſtreuer, Ver⸗ derber) von pür, und tophel(Lügner) von tophal. Dabei denkt man gleich an den bekannten Vers des Goethe'ſchen„Fauſt“:„Wenn man Euch Fliegengeiſt, Verderber, Lügner heißt.“


