Jahrgang 
3 (1867)
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444 Bürglen auf der Höhe.

und begleitete ſie mit mündlichen Erläuterungen.Das Reſultat iſt alſo, Herr Amtmann, ſprach darauf der Abt,daß der ſchwache Mann unſchul⸗ dig daſteht, der das ihm anvertraute Revier in beſter Rentabilität erhält, aber kein Held in der Feder iſt und zu wenig Autorität über ſeine mutter⸗ loſen Kinder hat. Die Tochter hat ihm die Kaſſe beſtohlen? Iſt ſie alt oder jung?Erſt neunzehn Jahre alt.Und ſchon ſo tief verſunken? Gnädigſter Herr, ihr Prädikat iſt immer das beſte geweſen.Und hat doch geſtohlen? Oh pfui!Des Hauſes Nothſtand war ihr über den Kopf gewachſen, ihre That war eine That der Verzweiflung.Und des Leichtſinns, Herr Amtmann, des ſträflichſten Leichtſinns. Die entwen⸗ dete Summe iſt durch unbekannte Hand erſetzt, wie ich vernahm. Hat das Mädchen einen Liebhaber? Warum wird denn der Herr Amtmann ſo roth? Iſt Er vielleicht ſelber der Liebhaber und hat das Geld bezahlt?

Der Amtmann ſchwieg in äußerſter Verlegenheit, aber der gnädige Herr half ihm aus ihr heraus.Friedrich, du haſt's bezahlt, aber du ſtundeſt in keinem unreinen Verhältniß mit der Tochter deines Untergebenen, du biſt keiner Gemeinheit fähig. Rück' daher nur getroſt heraus, ſag' mir aber alles.Das iſt bald geſagt, Herr Oheim, aber ſchmerzlich. Vor fünf Jahren zog ich als luſtiger Burſch, mit der Büchſe auf dem Rücken, durch den Schwarzwald in meine Ferien. Dort haben ſie mich in einem fürſtlichen Park, einen Wilddieb in mir vermuthend, eingefangen, wobei mir übel zu Muthe war, denn der Schein war wider mich. Des Förſters vierzehnjähri⸗ ges Töchterchen ließ mich entſchlüpfen, und nach fünf Jahren muß ich dieſes liebe Kind als eine Diebin in Haft nehmen.Und dieſes Kind iſt ſeit⸗ dem eine anmuthige Jungfrau geworden, die du geheirathet hätteſt, wenn ſie ehrlich geblieben wäre?So hätte es wohl kommen mögen, lieber Herr Oheim, und daß es ſo ganz anders kam, iſt das große Unglück meines Lebens.Friedrich, pack' deinen Fascikel zuſammen, ich bin hinlänglich inſtruirt, und ſchick mir das Mädchen her; ich will ſie unter vier Augen ſprechen, du magſt in der Nähe bleiben.

Wendelieb ſteht allein vor dem alten Herrn, der ſie lang, lang anſieht, ehe er ein Wort zu ihr redet, es iſt ſeine Weiſe ſo.Erzähl' mir von dei⸗ nen häuslichen Umſtänden; ſieben Geſchwiſter haſt du und keine Mutter mehr? Seit wann iſt ſie todt?Seit zwei Jahren und ließ mir ein drei Tage altes Knäblein zurück, zwei Brüder von zwölf und fünfzehn Jah⸗ ren und vier jüngere Schweſtern.Wie viel Einkommen hat dein

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