Jahrgang 
3 (1867)
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42²⁰ Täuſchungen.

litz.— Sie ſchüttelte den Kopf.„Die Pfarrerin iſt um dieſe Zeit immer bei ihrem Gatten, und Pauline hat mir ſchon dieſen Nachmittag erklärt, daß ſie mich für den Abend meiner eigenen Geſellſchaft würde überlaſſen müſ⸗ ſen, da ſie zuerſt dem Vater vorzuleſen und dann verſchiedene Briefe zu ſchrei⸗ ben habe.“— Er nickte beruhigt, verabſchiedete ſich an der Thür des Hauſes mit einem:„Bis morgen denn!“ und wandte ſich, während ſie die Schwelle überſchritt, nach demſelben Wege zurück, auf welchem er ſie hergeleitet hatte. Die Nacht brachte Bertha ſchlaflos zu. Erſt ſpät nach Mitternacht hörte ſie Dellitz heimkommen und der Gedanke, was er ausgerichtet haben könne, ſteigerte ihre Aufregung faſt bis zur Unerträglichkeit. Endlich kam der Morgen und mit ihm auch der Moment, der ſie mit Dellitz auf einem Gange durch den Garten zuſammentreffen ließ. Er las die bange Frage in ihren geſpannten Zügen und ſagte freundlich:„Bis ſo weit iſt alles in Ord⸗ nung. Der Arzt, welchen ich zu Ihrem Pflegebruder, als zu einem erkrank⸗ ten Reiſenden führte, erklärte ſeine Krankheit zwar für eine heftige, aber für keine abſolut lebensgefährliche und erlaubte ſogar ſeine Fortſchaffung, da ihm ſelbſt der Aufenthalt in jenem Wirthshauſe als ſehr wenig zuträglich erſcheinen mußte. So iſt er denn jetzt in einem benachbarten Dorfe, wo ich kürzlich bei einer Amtshandlung Bekanntſchaft angeknüpft habe, vorläufig in Sicherheit.“ Er erzählte dem jungen Mädchen dann noch, wie er lange bei dem Kranken, deſſen Ueberſiedelung er ſelbſt geleitet, geweſen ſei und die Ueberzeugung gewonnen habe, daß in dem jungen Menſchen ein tüchtiger Kern ſtecke, der auf geeignetem Boden einer gedeihlichen Entwickelung fähig ſei, wobei er ſein Bedauern nicht zurückhalten konnte, daß er ſich durch jenen wilden Ausbruch ſeines Jähzorns vielleicht ſelbſt um ſeine Zukunft betrogen und noch dazu jene ſchwere Schuld auf ſich geladen habe.„Schließen wir jedoch nicht mit der Hoffnung ab!“ fuhr er fort.„Der liebe Gott iſt barm⸗ herzig und erlöst uns oft wunderbar von unſeren Miſſethaten.“ Diesmal ſenkte ſich Dellitz'„geiſtliche Rede“ tief in das Herz des jun⸗

gen Mädchens, und getröſtet, faſt andächtig ſah ſie zu ihm auf. Nach einer Pauſe fragte ſie:„Und ſo glauben Sie, daß Anton bald ſeine Flucht wird fortſetzen können? Ach, wie werde ich aufathmen, wenn ich ihn an jener ſiche⸗ ren Küſte weiß!“—„Wollen Sie ihn denn um jeden Preis nach Amerika ſchicken?“ fragte Dellitz mit einem halben Lächeln.„Wer weiß, vielleicht wäre es gerade der Weg, um ihn vollſtändig in's Unglück zu bringen, denn „die weite Welt“ iſt nicht allemal die beſte Schule für einen noch nicht ge⸗

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