Jahrgang 
3 (1867)
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Gott ſteuert die Bäume, daß ſie nicht in den Himmel wachſen.

die nothdürftige Erleuchtung hergab. Zur Seite des Kamins ſatz Fritz Koch

und ſang:

Es wohnte einſt ein Pächter zu Campz nah bei Schwerin, Der hieß im ganzen Lande nur ſtets der alte Wien; Und bei ihm lebt ſein Schwager, der Bruder ſeiner Frau, Den nannten Jung' und Alte nur immer Onkel Gau.

Der hatt' in jungen Jahren gelernt die Müllerei,

Doch hatt' er bald erfahren, daß viel des Staub's d'rin ſei. D'rum lebt er bei dem Schwager nun ſchon ſeit manchem Jahr, Und nahm für Koſt und Lager alldort der Wirthſchaft wahr.

Es ſprach an einem Abend zu ihm der alte Wien:

Sieh, Onkel Gau, Gott hat uns'ne reiche Ernt' verlieh'n, Und wo es gilt, da hab' ich die Thaler nie geſpart,

Und hätte gern jetzt Schafe von ächter ſpan'ſcher Art.

Du biſt ein Freund vom Reiſen, das wiſſen alle wir,

Und ſiebenhundert Thaler ſind in der Katze hier.

Ich denk', Du nimmſt den Fuchſen und reit'ſt nach Sachſen hin, Es ſteht auf ſolches Schafvieh jetzt ganz und gar mein Sinn.

Herr Gau iſt fortgeritten beim nächſten Morgenroth.

Der alte Wien, der hatte daheim nun ſeine Noth;

Er rechnete im Bette, er rechnete zu Pferd,

Wann mit den ſpan'ſchen Schafen der Onkel kommen werd',

Der Winter war vorüber, ſchon ſcholl der Lerche Sang, Da ward um ſeine Schafe Herrn Wien zuweilen bang'. Und als im Herbſt die Ernte zur Scheuer ward geführt, Da ſprach er:Sicher habens den Gau uns capponirt.

Er hat nach Fuchs und Schwager geſchrieben und gefragt: Doch wo ſie beid' geblieben, hat niemand ihm geſagt. Oft hat ein tiefer Kummer das Herz ihm d'rob beſchwert, Zuweilen um den Schwager, doch öfter um das Pferd.

Es war die ſieb'nte Ernte ſeit Gauen's Reiſ' vollbracht,

Da ritt an einem Abend Herr Wien zu Hauſe ſacht.

Sieh! in der Weidentrift es jetzt mächtig blarrt und ſtaubt. Was der vertrackte Schäfer denn heut ſchon wieder glaubt!

Treibt der verruchte Kaffer nicht ein bei'm Sonnenlicht? Schon macht Herr Wien ſich fertig zu einem Strafgericht. Da ſieht er, daß ein Reiter zur Seite reit't der Heerd',

Und plötzlich ſpringen beide herab von ihrem Pferd.