Jahrgang 
3 (1867)
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Von C. W. Stuhlmann. 3

Der glücklichſte Tag ſeines Lebens war dem Herrn Küſter vor nun⸗ mehr zwei Jahren am 10. Mai aufgegangen. An dieſem Wonnetage hatte er ſich ſelber in der bedeutendſten Zeitung ſeines Heimatländchens mit der vollen Unterſchrift ſeines Namens gedruckt geleſen. Kurze Zeit zuvor war die Orgel der Stadtkirche einer Hauptreparatur unterzogen und bei dieſer

Gelegenheit um einige Regiſter verſtärkt worden, und darüber hatte Herr

Johann Sebaſtian in jener Zeitung berichtet und zwar in ſo kunſtmäßiger, nur den Fachleuten verſtändlicher Weiſe, daß es allen übrigen Klatſchbergern nicht anders als griechiſch gedäucht hatte. Seit dieſer Zeit galt Herr Jo⸗

hann Sebaſtian dem ganzen Städtchen als ein grundgelehrter Muſiker, und

ſich ſelber nicht bloß für einen ſolchen, ſondern auch für einen berühmten Schriftſteller. Es ging nunmehr auch keine Woche in's Land, in der er jenen Zeitungsartikel nicht irgend einer Perſon vorgeleſen hätte, und je häufiger er dieſes that, je mehr befeſtigte ſich in ihm die Ueberzeugung, daß das, was

er geſchrieben habe, für alle Zeiten geſchrieben worden ſei.

Mit dem Ruhme geht es wie mit allen anderen guten Dingen: hat man davon, will man mehr davon haben. Als Proſaiker war Herr Johann Sebaſtian berühmt, nunmehr galt es, auch den Lorbeerkranz der Poeſie zu erringen. Nach emſigen metriſchen Studien machte Herr Bach ſich an die Verfertigung einer Ballade, welche ſich der Brückeneinſturz benannte, und deren erſte Strophe folgendermaßen lautete:

Was juͤngſtens in den Frühlingstagen Im fernen Rußland iſt geſchehn,

Das will ich meinen Gönnern klagen, Auf daß ſie Gottes Güte ſehn.

Aehnlich trefflich wie dieſe Strophe geriethen auch alle anderen, und die Ballade erhielt den wohlverdienten Beifall aller ſtädtiſchen Honoratioren. Meinen Gönnern, da meint er natürlich uns mit, ſagte die Frau Bür⸗

germeiſterin zur Frau Hauptpaſtorin, und da letztere ſchon immer dem Herrn

Küſter gewogen geweſen war, ſo war ſein Glück als Dichter gemacht, und die erſte ſichtbare Frucht, die es ihm trug, war die, daß er bald darauf den Cantortitel erhielt.

Herr Cantor Bach componirte nunmehr auch die Ballade, und nachdem Frau Amtmannin ſie im muſikaliſchen Kränzchen geſungen hatte, war die Vortrefflichkeit der Compoſition unbeſtritten. Niemand war jetzt glücklicher als der Herr Cantor, und mit gehobenen Gefühlen wagte er ſich nunmehr

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