Jahrgang 
4 (1800)
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zu, um die feilgebotene Waate zu kaufen. Ihr erwartet, redete ſie der Rabbi an, ein Lebenskraut, oder ein Arzeneimittel, wie ſie euch Marktſchreier verkaufen. Aber ihr irrt, meine Freunde. Meine Mittel, das Le⸗ ben zu verlaͤngern, beſtehen in Worten, und heißen: Der Mann, der ſeine Tage lieb hat,

huͤte ſich vor Boͤſen, thue Gutes und ſuche

den Frieden.

Zur Erkläͤrung dirſer drei goldnen Lebens⸗ regeln ſetzen die Talmudiſten hinzu.Suche ſo fruh als moͤglich deine Seele von den Feſ⸗ ſeln der Sinnlichkeit zu befreien, die uns ſchon von der Kindheit an zu beherrſchen ſtrebt, und von der es heißt: An der Thuͤr ſchon lauert ſie! Verabſcheue nicht bloß das La⸗ ſter, ſondern gewinne die Tugend lieb, und mache ſie zu deiner Vertrauten. Denn, der Menſch⸗ der das Laſter zwar meidet, aber der Tugend nicht huldigt, kann keinesweges auf den Namen eines vernuͤnftigen Weſens