Jahrgang 
3 (1799)
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Ich eilte auf meine Stube und weinte bik⸗ tere Thraͤnen. Der Kampf war heftig. End⸗ lich drang des armen Ludwigs Bild, ſeine Zärt⸗ lichkeit, ſeine Guͤte zu meinem Herzen. Ich bat ihm in meinem Herzen alles Unrecht ab, was ich in den vergangenen Angenblicken gethan, und

vor Gott verſprach ich es mir, ihm dies durch ſein ganzes Leben zu erſetzen durch Vorſorge und treue Ergebenheit.

Ach Mutter! zuͤrnen Sie nicht, haſſen Sie mich nicht! War es denn Suͤnde, daß mich

einen Augenblick die Ueberraſchung eines lange erſehnten Gluͤcks mit ſich fort riß? Leben Sie

wohi. Bald bin ich bei Ihnen.

Madame Berner an Ludwig Henning.

Du haſt mir Deine guͤnſtige Meinung fuͤr Marianen eroͤfnet, lieber Ludwig! und um mei⸗ ne muͤtterliche Einwilligung gebeten, weil Du ſie liebſt, und mit ihr gluͤcklich zu ſeyn hoffſt⸗ Iſt Dein Entſchluß nicht zu raſch gefaßt? hat nicht vielleicht Mitleid gegen Marianen, oder Großmuth gegen mich mehr Theil daran, als kalte