Jahrgang 
2 (1798)
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327 dernswürdigen Geduld trug, deren ſtuͤrmiſchen Gemuͤthsart er immer die Ruhe und den Gleich⸗ muth des wahren Weiſen entgegen ſetzte, und deren gute Seite er nicht verkannte. Da auch ihre Kinderzucht, wie leicht zu erachten, ein ewiges Poltern und Schelten war, ſo konnte die natuͤrliche Folge davon keine andere als Ab⸗ neigung und Widerwille der Kinder gegen ihre Mutter ſeyn. Als daher einmal Lamprokles, der älteſte, ſchon erwachsne Sohn, aͤußerſt er⸗ bittert auf ſeine Mutter war, und dem So⸗ krates verſicherte, es ſey nicht mehr mit ihr auszuhalten; es gehe nichts uͤber ihre Heftig⸗ keit und ihr Toben; ſie ſtoße Scheltworte aus, die man um alles in der Welt willen nicht hoͤren moͤchte: ſo beruhigte Sokrates den Juͤngling durch eine ſehr verſtaͤndige, väter⸗ liche Zuſprache. Er fuͤhrte ihn auf all das Gute zuruͤck, welches ſeine Mutter ihm und ſeinen Geſchwiſtern von jeher erzeigt; wie zärtlich ſie fuͤr ihn beſorgt ſey, alles Unge⸗ mach von ihm abzuhalten ſuche, ihn in Krank⸗