Jahrgang 
1 (1798)
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3 »Wer nur Vergnuͤgen wuͤnſcht, und nichts dafuͤr thun will, wartet ſelbſt nicht einmal ſo lange, bis ihn die Natur dazu auffordert, ißt, ehe ihn hungert, trinkt, ehe ihn durſtet, reizt die Begierde durch erkuͤnſtelte Kochkunſt und durch koſtbare Weine, im Sommer durch Schnee gekuͤhlt. Er zwingt ſich, durch tauſend Kuͤn⸗ ſteleien, zur Liebe. Weiche Decken ſollen ihm Schlaf geben, nach dem er ſich ſehnt, nicht, weil er ſich muͤde gearbeitet hat, ſondern weil er ſich nicht zu beſchaͤftigen weiß. Der Zoͤgling der erſchlaffenden Wolluſt iſt verhaßt der Gottheit, ihn trifft die Verachtung aller guten Menſchen. Nie erfreut ihn ſein eignes Zeugniß: das war edel gehandelt! Er ſi ieht nie, was das reinſte Vergnuͤgen gewährt, eine ſelbſt verrichtete gute That. Niemand traut ſeinem Wort; in Noth iſt er von ſich und an⸗ dern verlaſſen; und ſelbſt an ſeinen Luſtgelagen nimmt kein Gutdenkender Theil. Als Juͤng⸗ ling ſchon iſt er entkraͤftet am Koͤrper; in den höhern Jahren iſt zum Denken unfäͤhig ſein A2